Sommer, Freibäder, Kapazitäten

Stehplätze sind noch frei

Nichtschwimmerbecken im Schwarzenbergbad am 04.07.2015. Stehplätze sind noch frei
(Foto: Lena Seyfried)

In den letzten Tagen war es durchaus überdurchschnittlich heiß und gerade hier sieht man die Kapazitätsproblematik der Freibäder. Leider wird immer wieder gefordert, Freibäder zu schließen. Zum Glück konnten wir das bislang verhinden.

Ich bin in Dudweiler aufgewachsen und habe in meinem Leben schon sehr viel Zeit in unserem schönen Freibad verbracht. Für meinen Bruder und mich gab es in unserer gesamten Kindheit eigentlich kein anderes Freibad, wieso auch: Unseres in Dudweiler hatte schon immer alles, was wir uns wünschen konnten. Ein Nichtschwimmerbecken für Ballspiele und Planscherei, das Schwimmerbecken später dann für Schwimm- und Tauchübungen und natürlich die unschlagbare 60m-Wasserrutsche.

Gerade in den Sommerferien kam für uns auch kaum eine alternative Beschäftigung infrage und so schleppten wir einen Teil unserer Eltern (oder beide) fast jeden Tag zum kühlen Nass. Schon morgens, kurz vor Kassenöffnung, standen wir vor der Tür und wir verließen das Becken auch nur gegen Widerstand. Das mit den blauen Lippen leuchtete uns als Kinder natürlich nicht immer ein, lediglich ein Wetterwechsel oder eben der unvermeidliche Feierabend konnte uns als Argument verständlich gemacht werden.

Man traf dort Freunde und Verwandte, genoss das Wetter und die Leckereien des Kioskes, lag brutzelnd in der Sonne oder rannte eben aus dem Wasser hüpfend die Treppe hoch in Richtung Rutsche.

Immer wieder, vor allem in den letzten Jahren, wird leider darüber diskutiert, das Dudweiler Freibad zu schließen. Neben den vielen emotionalen Gründen, warum man so ein wichtiges Stück Heimat und Kindheit nicht verlieren will, siegen meiner Meinung nach auch auf argumentativer Seite die Gründe, das Freibad zu erhalten.

Natürlich muss eine Stadt, die so verschuldet ist wie Saarbrücken, irgendwie und irgendwo Geld sparen, doch es muss eben sinnvollere Möglichkeiten geben die Stadtkasse zu sanieren, als den Menschen ihr Freibad zu nehmen. Oft wird argumentiert, es gäbe ja genügend Schwimmbäder im Umland, man könne diese nutzen. Es ist aber, für Kinder deren Eltern arbeiten gehen, nicht immer möglich und wenn es möglich ist selten zumutbar, den Weg nach Saarbrücken oder Quierschied auf sich zu nehmen um ins Schwimmbad zu kommen. Außerdem, da kommen wir jetzt an den Stein des Anstoßes dieses Artikels, können die Bäder den Ansturm an wirklich heißen Tagen nicht handhaben.

Warteschlange vorm Schwarzenbergbad Saarbrücken

Warteschlange vorm Schwarzenbergbad Saarbrücken am 04.07.2015
(Foto: Lena Seyfried)

Am Samstag war im Schwarzenbergbad in Saarbrücken ein derartiger Andrang, dass nur noch neue Gäste hinein gelassen wurden, wenn jemand das Schwimmbad verlässt. Man musste daher einige Zeit vor dem Eingang in der Sonne stehen und schwitzen. Im Nichtschwimmerbecken war zwar noch ein wenig Platz, aber eine wirklich große Bewegungsfreiheit ist nicht mehr zu erkennen und irgendwo sind auch Grenzen gesetzt, was die Sicherheit der Badegäste angeht. Völlig klar also, dass man nicht beliebig viele Menschen in ein Freibad einlassen kann. Man stelle sich die Zustände vor, wenn auch noch die Schwimmbadfans aus Dudweiler anreisen, um sich abzukühlen.

Aber genau deshalb ist es wichtig, dass wir ausreichend mit Bädern versorgt sind. Wir leben nun einmal im Saarland und nicht an einem Meer mit Badestrand, wir müssen uns eben mit Schwimmbädern behelfen und sollten froh sein, über die gegebenen Möglichkeiten, anstatt diese abschaffen zu wollen.

Jetzt kann man anführen, dass wir schließlich nicht immer knapp 40°C haben in Saarbrücken. Aber genau das ist ja auch der Grund, warum ein Schwimmbad in städtischer Hand ist, denn das Risiko des schlechten Wetters muss abgefangen werden. Die Logik der Deutschen Bahn, dass die Klimaanlage/das Freibad aber nur bis 32°C funktioniert, ab dann hat man eben Pech, sollten wir nicht übernehmen.

Kapazitätsplanung von Freibädern ist natürlich eine Katastrophe. Wenn das Wetter super ist, wird es eng und wenn das Wetter mies ist, wirkt so ein Bad unrentabel. Aber das ist ja das schöne: Niemand verlangt, dass es rentabel ist.

Wir brauchen unser Freibad, besonders für solche Tage und auch ansonsten ist es kein guter Plan, lange Fahrzeiten abzuverlangen von den schwimmbegeisterten Dudweilerern. Außerdem: Ohne unser Freibad werden weniger Menschen überhaupt schwimmen gehen und das kann nicht unser Ziel sein. Daher ein großes Danke an all die Engagierten, die sich immer wieder für unser Freibad einsetzen und vor allem an den Förderverein Dudweiler Bäder.

 

Vielen Dank an Lena Seyfried, die mir freundlicherweise die beiden Bilder vom Schwarzenbergbad zur Verfügung gestellt hat.

 

Am Bostalsee war es am 05.07.2015 auch ganz schön voll

Am Bostalsee war es am 05.07.2015 auch ganz schön voll

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