SageSa, PEGIDA, NPD, AfD,…

SageSa, PEGIDA, NPD, AfD,… Es wächst zusammen was zusammen gehört. Und Dudweiler muss darunter leiden. Aus diesem Grund möchte ich ein wenig dazu sagen, wie ich diese Gruppierungen sehe.

Ja, ich weiß, ihr seid es müde. Glaubt mir, ich auch. Was schriebe ich nicht lieber über das Wetter oder über den Schimmelkäse im Kühlschrank, als über das braune Pack.

Auch machen mir das Musizieren und meine sonstigen Hobbys weitaus mehr Spaß, als Montags auf der Straße zu stehen und gegen Rassismus zu demonstrieren.

Doch solange Rassisten, Hetzer, Feinde der Demokratie und der Menschlichkeit durch die Straßen marschieren, müssen wir ihnen zeigen, dass sie eine kleine, unbedeutende und unbeliebte Minderheit sind.

Braun in Braun

Als Mitbegründer und Unterstützer der Bewegung „BUNT statt BRAUN Dudweiler“ und nach allem was ich in den letzten Wochen und Monaten hier so geschrieben habe, sollte es niemanden verwundern, dass ich eine relativ klare Haltung zu diesen Gruppierungen habe. Doch ob nun SageSa, PEGIDA, NPD oder AfD (die Reihe darf mit weiteren Rechtsgruppierungen gedanklich erweitert werden) auf der Straße marschiert, ist mir im Endeffekt relativ egal. Um es mit Volker Pispers zu sagen: Man hat das Gefühl die wollen uns die Scheiße in verschiedenen Geschmacksrichtungen anbieten.

Regelmäßig werden Teilnehmer der SageSa als „besorgte Bürger“ verharmlost, ähnlich wie das bei PEGIDA immer wieder getan wird. Der Bezirksverordnete der AfD in Dudweiler spricht von einer „NPD-unterwanderten Sagesa“ und verpasst dabei, dass SageSa gegründet wurde und angeführt wird vom stellvertretenden Vorsitzenden der NPD-Rheinland-Pfalz Sascha Wagner. Diese Relativierung von SageSa und die gleichzeitige Inhaltsgleichheit zwischen allen hier genannten kann auch nicht dadurch verdeckt werden, dass man sich vorgeblich von all dem distanziert.

Auf seiner Internetseite hat das Bündnis „SageSa“ bekannt gegeben, dass sie am 19. Oktober wieder durch Dudweiler marschieren werden und dieses Mal durch PEGIDA-Aktivisten verstärkt werden. Die NPD hat SageSa hier gestartet, jetzt ist PEGIDA mit an Bord und auch wenn die AfD auf Distanz versucht zu bleiben in der Öffentlichkeit, man ist schließlich bürgerlich, ist die inhaltliche Übereinstimmung evident.

„Asylkritik“

Eine berechtigte Kritik an den Asylantragsverfahren oder an der Unterbringung der Menschen ist jederzeit diskutabel. Auch, dass sich viel zu stark auf Ehrenämtler gestützt wird um den Menschen zu helfen, die in ihrer Not zu uns flüchten, ist ein völlig akzeptabler Kritikpunkt.

Artikel 14
1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
Generalversammlung der Vereinten Nationen ~ 10. Dezember 1948

Das Menschenrecht auf Asyl zu hinterfragen, zu kritisieren oder gar abschaffen zu wollen, zeugt jedoch von Arroganz und Geschichtsvergessenheit. Die Arroganz, zu glauben man könne solche Dinge besser beurteilen als die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Europäische Union sowie die Autoren unseres Grundgesetzes und die Geschichtsvergessenheit, sich nicht zu erinnern, dass auch Deutsche in ihrer Geschichte aus guten Gründen aus dem eigenen Land geflüchtet sind und dankbar waren, dass man ihnen Asyl gewährte. Aus meiner Perspektive ist spätestens hier ein Berufen auf „Ängste der Bürger“ in vielen Fällen nur ein vorgeschobenes Argument um den eigenen Rassimus zu verstecken. Das mag nicht immer zutreffen, aber zumindest in vielen Fällen kommt bei genauerem Nachfragen die hässliche Fratze des Hasses ans Tageslicht.

Zu behaupten, dass Deutschland, als eines der reichsten Länder der Welt, damit überfordert sei den Flüchtlingen zu helfen ist absurd und wer so spricht ist entweder dumm, fehlgeleitet oder lügt. Doch auch in diesem Fall stellt sich immer wieder heraus, dass es sich nur um ein Strohmannargument handelt, was verschleiern soll, dass eigentlich nur Hass und Rassismus hinter den Aussagen steckt.

Ängste und Demagogie

Natürlich gibt es auch Menschen, die tatsächlich Angst haben vor dem, was kommen könnte. Menschen, die glauben, dass es für uns alle zu Problemen kommen wird, dass unsere Infrastruktur das nicht halten kann oder dass Menschen die von außerhalb kommen, krimineller seien als hier geborene. Und hier meine ich eine echte Angst, die nicht abwertend oder rassistisch begründet ist, sondern nur aus Desinformation rührt.

Die Demagogen der rechten Parteien und Gruppen sind gewieft darin, Menschen durch Lügen, geschickte Auswahl an Information und Verdrehung von Tatsachen eine Angst einzuflößen, die danach völlig verständlich aber gänzlich unbegründet ist. Und wenn dann, von Linksparteien, antifaschistischen Gruppen oder Pro-Refugee-Aktionen versucht wird das Bild der Refugees durch Positivkampagnen zu verbessern, wird diesen von den Hetzern vorgeworfen, man würde ein überpositives Bild zeichnen und damit die Realität verzerren. Perfide, aber wirksam.

„Der Denkfehler war, dass man davon ausging, dass das was im Netz passiert, gleichsam im Netz bleiben würde. Wir erleben derzeit, dass es vielleicht bei einem Teil genau andersherum ist, dass sich nämlich im Netz nur das widerspiegelt, was ohnehin in Teilen der Gesellschaft passiert.“
Sebastian Bartoschek ~ Ruhrbarone

Menschen sind anfälliger für den Missbrauch ihrer Ängste, als sie offen sind für Aufklärung. Wenn man einem Kind sagt, unter dem Bett sei ein Monster, kann man so oft wiederholen wie man möchte, dass das ein Scherz war, das Kind wird Abends einen Kontrollblick unters Bett werfen. Mit Begriffen wie „Asylchaos“, „Asylmissbrauch“, „Einwanderung in die Sozialsysteme“, „Asylschmarotzer“ und inzwischen auch mit „Fachkräfte“ als negativ verwendeter Euphemismus wird den Menschen ein völlig falsches Bild suggeriert, das zeitweise so verzerrt ist, dass es mit der Realität nicht einmal mehr im Ansatz etwas zu tun hat.

Daher muss dringend mehr Wert darauf gelegt werden, die Menschen aufzuklären, sie mitzunehmen, mit ihnen zu sprechen und ihnen zu erklären, wie die Sachlage aussieht. Man muss den Menschen ihre Ängste nehmen und sie idealerweise dafür gewinnen, sich für Menschen in Not einzusetzen. Bildung und Aufklärung sind nicht nur der Beste, sie sind der einzige Weg aus der Misere.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung“
Immanuel Kant ~ Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Flüchtlingskrise? Nazikrise!

Es wird, von verschiedenen Gruppen und auch in den Medien, immer wieder von der Flüchtlingskrise gesprochen. Ich möchte nicht den Aufwand und die einzusetzenden Ressourcen negieren, die im Rahmen der aktuellen Flüchtlingswelle nötig sind, doch ich möchte auch nicht von einer Flüchtlingskrise sprechen. Wir haben, was das angeht, keine Krise. Es ist eine durchaus nennenswerte organisatorische Aufgabe, mit den vielen Menschen umzugehen, die in unser Land kommen, das ist korrekt. Doch ist es unser eigenes Verschulden, dass wir uns nicht besser vorbereitet haben auf diese, seit Jahren vorhersehbare, Situation.

„50 rechte Straftaten pro Tag. Das ist keine Flüchtlingskrise, das ist eine Nazikrise.“
@bov auf Twitter

Eine Krise ist es dennoch, in der wir uns befinden. Denn wir haben eine soziale Krise in Deutschland, eine gesellschaftliche Notsituation, wenn die Nazis täglich Gewalt ausüben und der Terrorismus von Tag zu Tag häufiger, skrupelloser und dreister wird.

„Mehr als 600 der Straftaten hatten demnach einen fremdenfeindlichen Hintergrund, 100 waren Gewaltdelikte. Damit sei der bisherige Jahreshöchstwert von knapp 1150 rechts motivierten Straftaten im Juli überschritten. “
Spiegel Online

Regelmäßig brennen Flüchtlingsunterkünfte, es werden Menschen in Gefahr gebracht und verletzt und es entstehen unglaubliche finanzielle Schäden. Das ist Terrorismus und sollte so genannt werden! Wir leben in einer Zeit, in der die Nazis mehr oder weniger ungehindert, zumindest ist das das Gefühl der Menschen, Terrorismus betreiben können während parallel eine diffuse Angst vor „Islamistischem Terrorismus“ geschürt wird, sodass die Menschen den Fokus für die reale Gefahr verlieren.

Doch dieser rechte Terrorismus bringt unsere Gesellschaft in tatsächliche Gefahr und gegen diesen müssen wir uns wehren. Und getreu dem Motto „Wehret den Anfängen“ müssen wir uns schon bei jedem aufkeimenden Versuch der Nazis, die Meinungshoheit zu gewinnen, wehren. Die Feinde der Demokratie sind unser aller Feinde.

BUNT statt BRAUN Dudweiler

Und genau das tun wir in Dudweiler, aber auch in vielen weiteren Städten im Saarland und Deutschlandweit. Die Mehrheit der Menschen ist den Geflüchteten gegenüber absolut positiv gestimmt und möchte helfen und unterstützen. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist auch eindeutig gegen Terrorismus und rechte Hetze. Es organisieren sich immer mehr in Bündnissen und Organisationen gegen Rechts, gegen Hetze und pro Asyl.

In Dudweiler existiert seit Frühjahr das Bündnis BUNT statt BRAUN Dudweiler, auch ein Aktionsbündnis BUNT statt BRAUN Saar engagiert sich im Saarland zu diesen Themen und viele weitere solcher Bündnisse sind schon entstanden und entstehen. Auf Facebook keimen Flüchtlingshilfegruppen und zu jeder Nazidemo gibt es eine Gegendemo/-kundgebung um zu zeigen: Hier seid ihr nicht willkommen, ihr seid NICHT die Stimme des Volkes, sondern die Stimme einer dummen und menschenfeindlichen Minderheit.

Lasst uns weiterhin gemeinsam gegen Rassismus, Hetze und Rechte Idioten kämpfen! Wenn die NPD in Form der SageSa zusammen mit PEGIDA jetzt jeden Montag in Dudweiler steht, stehen wir eben auch jeden Montag auf der anderen Straßenseite und zeigen ihnen, wo der Ortsausgang ist.

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