Novemberpogrome 1938

Die Novemberpogrome 1938, auch Reichspogromnacht genannt, bezogen auf die Nacht vom 9. zum 10. November 1938, jähren sich heute zum 77. Mal.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden etwa 400 Menschen, in einer vom Naziregime organisierten Gewaltaktion, ermordet oder in den Suizid getrieben. Mehr als 1400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume, Geschäfte und Wohnungen sowie jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem darauffolgenden Tag wurden 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert.

Die Novemberpogrome waren der Auftakt der systematischen Verfolgung von Juden, wenige Jahre später mündete das im Holocaust. Dass dieser Tag ein Trauertag in unserem Land ist und auch sein muss, dass wir uns bewusst machen müssen, was geschehen ist und dass wir die Ursachen verstehen müssen, war selten so deutlich wie in diesem Jahr.

Hass, Gewalt und Hetze in unserer Zeit

In einer Zeit, in der geschichtsvergessene Idioten, gemeinsam mit geschichtsbewussten Arschlöchern, regelmäßig auf den Straßen marschieren, muss man lernen und verstehen, was Anfang des letztenb Jahrhunderts geschah und was heute geschieht. Man muss die Parallelen erkennen und die Hetze und den Hass bekämpfen.

Die aktuelle Stimmung gegen Flüchtlinge, die von Nazis aller Brauntöne in Deutschland zur Zeit befeuert wird, sorgt immer mehr für eine Senkung der Hemmschwelle bei denen, die vor Gewalt, Sachbeschädigung, Körperverletzung und Mord nicht zurückschrecken. Dies trifft am Ende nicht nur Flüchtlinge aus den Krisenländern, auch bereits hier lebende Menschen, die nicht in das „Volksbild“ der Rassisten passen, geraten hierdurch in Gefahr. Björn Höcke von der sogenannten AfD Beispielsweise spricht von 62 Millionen Deutschen und schließt damit die 18 Millionen Menschen aus, die eben nicht zu seiner Vorstellung eines „Deutschen Volkes“ gehören und in seiner verqueren Welt nicht „rasserein“ sind.

Die sogenannte AfD steht der NPD inzwischen in Radikalität kaum in etwas nach, der Schleier der „Bürgerlichen Partei der Mitte“ ist längst gefallen und sie ebnet den Weg für eine neue Welle des Rassismus und des Hasses in unserem Land. Mit PEGIDA und HoGeSa, auch in ihren regionalen Ausprägungen wie z.B. SageSa (Saarländer gegen Salafisten), gehen Hetzer auf die Straße und radikalisieren sich immer stärker gegen Flüchtlinge und „Ausländer“ generell.

Das geht so weit, dass heute, an einem Tag der Trauer um die Opfer des Dritten Reiches, die Nazis sich nicht schämen ihre menschenverachtenden „Spaziergänge“ und Demonstrationen durchzuführen. In Sulzbach marschiert SageSa heute Abend durch den Ort, in Dresden will PEGIDA heute ohne Scham den Abend für Rassismus und Hetze missbrauchen.

Antisemitismus in unserer Zeit

Wer nun glaubt, dass sich der Hass der Rassisten heutzutage nur gegen Flüchtlinge und Migranten richtet, der irrt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag am letzten Wochenende wurde die Gedenkstätte an der Stelle der Synagoge Eisenach mit einem Hakenkreuz und dem Wort „Judenschweine“ beschmiert.

Antisemitismus ist längst kein überholtes Konzept. Die selbsternannten „Reichsbürger“, die offen propagieren, das Deutsche Reich in seinen alten Grenzen gelte noch, verbreiten auch regelmäßig antisemitische Lügen und Hetze. Die skurrilen Thesen, bis hin zu einer „Jüdischen Weltverschwörung“, sind nicht selten zu hören und werden heutzutage „Antizionismus“ genannt, doch das ändert nichts am Charakter der Sache.

Aufgrund der passenden Aktualität von Gedenktag und Schmierereien am Wochenende, habe ich ein Bild der Synagoge von ungefähr 1900 als Artikelbild verwendet, rechts hier im Abschnitt sieht man die Gedenkstätte in Eisenach. Beide Bilder habe ich der deutschen Wikipedia entnommen.

Das Volk

Gruppen wie PEGIDA oder HoGeSa, aber auch die sogenannte AfD stellen ja immer wieder in den Raum, sie sprechen für „Das Volk“. Sie rufen sogar „Wir sind das Volk“. Ich bin nicht sicher, welches Volk sie meinen, aber das von ihnen angeblich dargestellte „Deutsche Volk“ scheint nicht das zu sein, was hier in Deutschland lebt und was ich kenne.

Der größte Teil der Menschen will nichts mit diesen Hetzern zu tun haben und das ist gut so. Doch wir müssen weiterhin daran arbeiten und dafür kämpfen, den Hetzern zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind und dass sie eine verachtenswerte Minderheit in unserem Land sind.

Wir, die wir lange nach dem Ende des zweiten Weltkrieges geboren wurden, sind vielleicht nicht Schuld an dem, was damals geschah, aber wir werden Schuld tragen, wenn wir nicht verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.

Gedenktag

Doch heute wollen wir gedenken. Den Menschen, die dem Naziregime zum Opfer gefallen sind, im Rahmen der Novemberpogrome aber auch in den Jahren zuvor und danach. Wir wollen innehalten und uns auf das besinnen, was die wahren Werte unserer Gesellschaft sind: Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde. Alle Menschen sind gleich, alle Menschen haben ein Anrecht auf Würde, Sicherheit und Menschlichkeit.

Für mehr Miteinander, auf dass die traurige Geschichte Deutschlands das bleibt was sie ist: Geschichte.

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