Mirko Welsch und die Gleichstellungspolitik

2016-05-22 KrebsgeschwürMirko Welsch und seine sogenannte Alternative für Deutschland kämpfen wieder einmal gegen Gleichstellungspolitik.

Es ist nicht neu, dass die sogenannte AfD, gerne auch in der Figur der Bundesinteressengemeinschaft „Homosexuelle in der AfD“, weit vorne dabei immer Mirko Welsch, sich öffentlich für die Diskriminierung von Homosexuellen ausspricht. Aber auch der Kampf gegen die Gleichstellung der Geschlechter ist ein immer wieder gern genommenes Thema unter den Rechtspopulisten. Prinzipiell scheinen die Rechtskonservativen ein Problem damit zu haben, wenn Diskriminierungen abgebaut werden sollen.

Am 17. Mai, dem „Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie“, fand in Nürnberg eine Veranstaltung der AfD statt, auf der unter anderem Mirko Welsch zu Wort kam, um seinen gewohnten Menschenhass zu verbreiten.

Kampf gegen Gender-Mainstreaming

Begrifflich verwendet die AfD im Kampf gegen Gleichberechtigung gerne „Gender-Mainstreaming“, welches sie dann wehement ablehnen. Dass dieser englische Begriff durchgängig verwendet wird, von einer Partei, die sich für deutschpatriotisch hält, hat vermutlich das Ziel, Menschen zu verwirren. Vermutlich hoffen sie so, dass niemand erkennt, dass das eigentliche Ziel der Angriffe auf Deutsch einfach „Gleichstellungspolitik“ heißt.

Gender-Mainstreaming, auch Gender Mainstreaming geschrieben, ist eine Strategie zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. Gender-Mainstreaming bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, um so die Gleichstellung durchzusetzen.

[…]

Gender-Mainstreaming wird oft mit „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ übersetzt. Bei den Behörden der Europäischen Union werden für die Übersetzungen auch folgende Formulierungen verwendet: „geschlechtersensible Folgenabschätzung“, „gleichstellungsorientierte Politik“ oder einfach „Gleichstellungspolitik“.

~ Gender-Mainstreaming – Wikipedia

Alle Lehrstühle, die sich mit Gleichstellungspolitik befassen, seien laut Alexander Tassis aufzulösen, man habe 1945 schließlich auch alle Rassen-Lehrstühle aufgelöst. Unfassbarerweise erkennt Alexander Tassis hier tatsächlich, welchen Vergleich er anstrengt, denn er betont darauf explizit die von Ihm gezogenen Parallele.

Ich möchte das Gender Mainstreaming mit solchen Wahnideen des Nationalsozialismus explizit vergleichen.

~ Alexander Tassis am internationalen Tag gegen Homophobie in Nürnberg

Kampf gegen Homosexualität

Mirko Welsch erklärt in seinem Vortrag, dass es ja durchaus positiv wäre, Kindern Toleranz gegenüber Homosexuellen beizubringen, behauptet dann aber direkt darauf, dass dies in der Form geschehe, dass Kindern im Kindergarten beigebracht würde, sich gegenseitig „den Finger in den Popo zu stecken“, dass Schüler Massagekurse erhielten oder Bordelle planen sollen. Dieser Umgang mit dem Toleranzgedanken und mit den Versuchen, gleichberechtigung zu schaffen, ist kennzeichnend für die Partei.

Homosexualität wird als „ungesund“ und „unnatürlich“ gebrandmarkt und immer wieder abgewertet. Gleichberechtigung und Gleichstellung für Homosexuelle wird als „überzogene Toleranz anstatt echter Gleichberechtigung“ bezeichne. Die Ehe für Mann und Frau ist für die AfD selbstverständlich der „gesunde“ Zustand in einer Gesellschaft, Alternativen sind unnatürlich und werden abgelehnt.

Ja zur traditionellen Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Weil es notwendig ist, weil es logisch ist. Jede gesunde Gesellschaft lebt davon, dass in der Regel ein Kind bei Vater und Mutter aufwächst.

~ Mirko Welsch am internationalen Tag gegen Homophobie in Nürnberg

Es wird der Gesellschaft die Zukunftsfähigkeit abgesprochen, weil man den Geschlechterrollen heutzutage eine Diversität zuspricht und sie nicht altmodisch binär betrachtet. Wenn Facebook vielschichtige Optionen für die Geschlechterselbstwahrnehmung anbietet, fragt sich ein Herr Welsch, ob die „einen am Schwimmer“ hätten. Mehr als zwei Geschlechter sind für Herrn Welsch unvorstellbar, also werden sie auch allen anderen Menschen abgesprochen. So einfach kann die Welt aussehen, wenn man Mitglied in der AfD ist. Was mir nicht gefällt, dem spreche ich die Existenz ab, dann bleibt meine kleine heile Welt schwarzweiß und ich muss nicht mehr nachdenken.

Menschen nach Wert sortieren

Einen kleinen Exkurs wurde noch getan, zum Thema Migration und Integration. Man müsse bei der Integration die Regel aufstellen, dass man sich als Migrant hier an Recht und Gesetz halten soll. Mir war nicht bekannt, dass dies nötig ist, ich dachte, dafür haben wir bereits Gesetzbücher die für alle Menschen hier gelten. Auch solle man nur die aufnehmen, die uns als Staat einen Vorteil bringen. Da es sich in der aktuellen Diskussion jedoch quasi ausschließlich um Asylbewerber handelt, ist es üble rechte Propaganda und absolut Menschenfeindlich, hier davon zu sprechen, man müsse Menschen sortieren nach „Kann man gebrauchen“ und „Kann woanders hin“.

Krebsgeschwür der Schwulenbewegung

Auf die restlichen Details des Vortrags möchte ich gar nicht weiter eingehen. Es ist krude, es ist teilweise verworren und einfach absurd. Aber eines ist dann doch noch sehr aufgefallen, schon zu Beginn des Videos, da musste ich erst einmal schlucken.

Offensichtlich ist es nicht mehr so, dass man sich „schwul nennen darf“, wenn man eben ein homosexueller Mann ist, sondern man muss in irgendeiner Form bei Mirko Welsch die Nutzung des Begriffes beantragen. Nicht jeder soll sich „schwul nennen“ dürfen, in der Welt des Herrn Welsch. Der Begriff muss geschützt bleiben für die, die ihn sich verdient haben und ich vermute, das sind die schwulen Patrioten, denn diese „Linksgrünversifften Gutmenschen“ sind, wenn sie Schwul sind, ja lediglich „Berufsschwestern“. Den Kontext zu solchen Begriffen muss man beim Herrn „Ich bin schwul, wenn du mich kritisierst, dann bist du schwulenfeindlich!“ selbst erfragen.

Schon zu Beginn seines Vortrags hat Mirko Welsch folgende Aussage getroffen:

Zu Volker Beck muss man hier eigentlich auch nicht viel sagen. Ich sage inzwischen auch immer, er ist das Krebsgeschwür der Schwulenbewegung in Deutschland. Denn wenn ich sehe, was der für eine Rechtsauffassung hat, dann schäme ich mich, wer sich heute hier in Deutschland alles schwul nennen darf.

~ Mirko Welsch am internationalen Tag gegen Homophobie in Nürnberg

Es ist zum Erbrechen, wie hier Menschen abgewertet werden, wie ein Politiker, nur weil er nicht zum eigenen Weltbild passt, immer wieder angefeindet, niedergemacht und abgewertet wird. Immer mehr habe ich das Gefühl, nicht die heterosexuellen Schwulenfeinde sind das größte Problem für die öffentliche Wahrnehmung von Homosexualität. Das größte Problem für die Rechte der Schwulen und Lesben in Deutschland, der größte Feind der Homosexuellen, sind solche Homosexuelle wie Herr Mirko Welsch, die quasi von innen heraus gegen die Gemeinschaft agieren, gegen sie kämpfen und sie zu zermürben versuchen.

Menschenfeindlichkeit als politisches Programm

Die menschenfeindliche Attitüde des Herrn Mirko Welsch, die immer wieder zutage tritt, wenn er zum Beispiel öffentlich sonstige Parteien oder auch alle LGBT-Verbände, die ihm widersprechen, als Müll darstellt, den es zu entfernen gilt aus unserer Gesellschaft, ist eine Schande. So stolz ich auf mein Dudweiler bin, wenn ich auf den BUNT statt BRAUN Demos den lauten Widerspruch gegen Nazis höre, so stolz ich auf mein Dudweiler bin, wenn sich der ganze Ort für eine Aktion für Krebskranke Kinder einsetzt, so sehr schäme ich mich für meine Heimat, wenn ich erlebe, dass ein Demagoge wie Mirko Welsch es zu einem Sitz in unserem Bezirksrat geschafft hat.

Von Politik aus Notwehr, schrieb ich vor wenigen Tagen. Ich kann nicht anders, ich muss mich gegen so etwas wehren. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Hassprediger wie Welsch unwidersprochen ihren geistigen Durchfall verbreiten dürfen. Ja, er darf das verbreiten. Nein, man muss ihn das nicht ohne Widerspruch tun lassen.

Armutszeugnis für Deutschland

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