Mauern im Kopf

Ein Tweet von Heiko Maas hat mich eben darauf aufmerksam gemacht, dass es heute ein kleines großes Jubiläum zu feiern gibt. Und er hat mich nachdenklich gemacht.

Oft feiert man Jubiläen ja nur jahrweise, doch auch dieses Tagesjubiläum finde ich emotional recht bedeutend. Die Mauer ist nun länger zerbrochen, als sie damals stand. Ab morgen haben wir mehr Tage hinter uns ohne Mauer, als es mit Mauer waren.

#10316Tage

Mich persönlich hat das ja nicht betroffen. Ich bin aus dem Jahrgang 1987, die Mauer hat zwar theoretisch in meiner Lebensspanne existiert, aber wahrgenommen habe ich sie natürlich nicht. Die Berliner Mauer ist für mich eine Legende, eine Geschichte, aber eben auch eine Mahnung. Eine Erinnerung an die Teilung eines Landes, an einen grausamen Krieg, geführt von einem grausamen Regime, vermutlich dem grausamsten überhaupt, falls es solch einen Superlativ überhaupt gibt.

Nun kann man natürlich feiern, dass die Mauer nicht mehr existiert. Doch wenn ich an die Mauer denke, denke ich unweigerlich auch an die vielen Menschen, die heutzutage gerne die Mauer zurück haben wollen. Im Westen hört man oft, die innerdeutsche Mauer solle man wieder aufbauen. Im Osten wie im Westen wünschen sich Menschen eine neue Mauer, eine die um Deutschland herum gezogen werden sollte. Oder zumindest um die EU. Aber Mauern sollen es schon sein. Vielleicht auch Zäune. Aber die solle man dann bitteschön mit Waffengewalt verteidigen.

Die Menschen, die den Unrechtsstaat DDR daran festmachen, dass es Unrecht war, an der Mauer zu schießen, sind das die gleichen, die nun eine neue Mauer wollen, an der geschossen werden soll? Und es ist dann eben nicht mehr Unrecht, sondern Recht und Pflicht zu schießen, denn man schießt ja auf die, die hinein wollen und nicht mehr auf die, die hinaus wollen. Sind das die gleichen Menschen? Eine Schnittmenge gibt es sicher.

Ja, der Autor der Hauswandschrift hat Recht, der Wille kann alles versetzen. Wir können Grenzen versetzen. Wir können sie zu Fall bringen.

Aber zumindest in der Bundespolitik ist der Trend leider aktuell ein völlig anderer. Man will es denjenigen Recht machen, die lauthals brüllen, dass eine Mauer voll toll wäre. Und Waffen. Und Grenzen allgemein. Und am Ende der Realsatire verlangt eine Partei, die sich den Schutz der Familie, als eines der wichtigsten und höchsten Ziele, auf die Fahne schreibt, dass Familien nicht mehr zusammen geführt werden dürfen, auf eine Seite der Mauer. Tja, so ist das eben, so war das damals schon, wenn man dummerweise auf zwei verschiedenen Seiten der Mauer war/ist, hat(te) man Pech.

Und eine angeblich sozialdemokratische Partei stimmt dem zu. Heiko Maas feiert den Mauerfall, während seine Partei Mauern errichtet.

Lasst sie uns einreißen, die Mauern. Fangen wir mit denen in den Köpfen an. Dann können wir alles erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.