Krankenkassen und Hokuspokus

Samuel Hahnemann

Samuel Hahnemann (via Commons)

Bei der Diskussion um Homöopathie und Canabis im Portfolio der gesetzlichen Krankenkassen, wirken die Argumente abstrus. Ich frage nach, wie die Kassen zu Hokuspokus stehen und wieso dies so ist.

Nun, meine Frage an die Kasse ist natürlich ein wenig sachlicher formuliert, aber inhaltlich läuft es darauf hinaus.

Bereits im März, als die Diskussion um Homöopathika und der Standpunkt der Techniker Krankenkasse in aller Munde war, hatte ich einen Artikel hier zu verfassen begonnen; hielt es aber dann nicht für notwendig, selbst noch etwas dazu zu veröffentlichen; alles wichtige wurde bereits gesagt und ich bin kein Freund der Diskussionsregel: „Es wurde bereits alles zum Thema gesagt, aber nicht von jedem.“ Nachdem aber nun weiterhin die Diskussion geführt wird, angefeuert durch die, im Ursprung vernünftige aber im Kontext absurde, Begründung der Krankenkassen, man wolle keine Behandlungen mit Cannabis zahlen, da für die Wirkung die Belege fehlen, muss ich nun doch etwas dazu sagen und vor allem bei meiner Krankenkasse nachhaken.

Erst einmal ist es natürlich absolut nachvollziehbar und korrekt, dass eine Krankenkasse Wirknachweise für eine Behandlungsform fordert, bevor sie die Kosten übernimmt. Das ist auch explizit das, was ich von einer Krankenkasse an dieser Stelle erwarte. Abstrus wirkt die Begründung lediglich im Zusammenhang mit der Tatsache, dass alle Krankenkassen, ohne eine mir bekannte Ausnahme, Zuckerkugeln zu überteuerten Preisen als angeblich wirksame Mittelchen zahlen.

Es ist längst Belegt, dass homöopathische „Arzneimittel“ keinerlei Wirkung besitzen und es wäre sowieso vom Grundsatz her bereits widersinnig etwas anderes anzunehmen. Wasser hat kein Gedächtnis, Zucker kann keine magischen Kräfte entfalten und die Naturgesetze lassen sich auch von einem Herrn Hahnemann nicht überreden, doch für ihn eine Ausnahme zu machen.

Wenn nun jedoch dieselben Krankenkassen, welche diese Zauberzuckerkugeln für magiegläubige Konsumenten finanzieren und dabei auch meine Kassenbeiträge verschwenden, bei einem bekannten und getesteten Wirkstoff eine Übernahme der Kosten ablehnen und weitere Belege für die Wirksamkeit verlangen, zeitlich auch noch sehr nache beieinander liegend, dann darf man mal lachen und bei seiner Krankenkasse einmal ganz genau nachfragen, wo denn die Unterschiede liegen. Zumindest sehe ich das so, daher hier mein Brief an die Knappschaft.

Übrigens: Tu was Gutes und nimm meinen Text gerne, passe ihn an und sende ihn entsprechend an deine Krankenkasse oder eine Krankenkasse deiner Wahl. Vielleicht tut den Krankenkassen ein wenig öffentlichkeit zu diesem Thema gut und sie sehen, dass die Versicherten sich tatsächlich Gedanken darüber machen, wofür man ihr Geld verschwendet.

Wirksamkeitsbelege für Homöopathie und Cannabis

Sehr geehrte Damen und Herren der Knappschaft,

mit befremden habe ich vor einiger Zeit bereits festgestellt, dass Sie, meine Krankenversicherung, auf Ihrer Internetseite den umstrittenen Begriff „Alternative Medizin“ verwenden. Viel schlimmer noch, Sie verwenden im Fließtext der zugehörigen Seite[1] den von wissenschaftsfeindlichen Esoterikern abwertend verwendeten Begriff der „Schulmedizin“. Diese Unterscheidung lässt es so erscheinen, als sehe auch die Knappschaft neben der wissenschaftlich fundierten und evidenzbasierten Medizin eine gleichwertige oder gar bessere „Alternative“. Die Medizin, als „Wissenschaft vom gesunden und kranken Organismus des Menschen, von seinen Krankheiten, ihrer Verhütung und Heilung“[2] kann keine Alternative kennen, außer sie ist nicht Teil der Definion, also nicht Teil der Erforschung des gesunden und kranken Organismus und den Möglichkeiten der Heilung.

Im Beschreibungstext erläutern Sie, diese „Alternative[n] oder ergänzende Heilmethoden […] gehör[en] in der Regel nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Die KNAPPSCHAFT hat aber verstanden, dass viele Menschen auf eine Kombination aus klassischer Schulmedizin und alternativen Heilmethoden vertrauen. Deswegen nutzen unsere Versicherten alternative Medizin unter bestimmten Voraussetzungen ohne Extrakosten.“ Neben Akupunktur und Osteopathie erwähnen Sie in dieser Kategorie auch die Homöopathie, eine mehr als 200 Jahre alte Lehre, die wissenschaftliche Prinzipien ablehnt, physikalsichen Erkennnissen widerspricht, in Studien keine belegbare Wirkung nachweist und sich als vollständige Alternative zur „Schulmedizin“ versteht, inklusive einer Ablehnung jeglicher nichthomöopathischer Behandlung und zum Beispiel eines Angebots der „Alternative zu Impfungen“. [3]

Wenn man in diesem Kontext nun erfährt, dass „die deutschen Krankenkassen bezweifeln, dass sie die Kosten von Cannabis-Therapien langfristig übernehmen“ [4], was mit einem fehlenden Nachweis der Wirksamkeit begründet wird, bin ich, das gebe ich offen zu, nicht nur ein wenig erstaunt.

Ich würde Sie daher bitten, mir zu erläutern, aus welchen Erwägungen heraus Sie auf der einen Seite die Kosten einer nachweislich unwirksamen Behandlung übernehmen, gleichzeitig jedoch weitere Belege für die Wirksamkeit von Cannabis als Schmerzmittel fordern und dabei sogar jetzt bereits offen anzweifeln, dass dieser Beleg geliefert werden kann. Außerdem würde mich an dieser Stelle interessieren, worin genau Sie die Trennlinie ziehen, wenn Cannabis sich tatsächlich als Wirkungslos herausstellen sollte, wieso Sie dann hier nicht, ebenso wie im Falle der Homöopathie, die Kosten für ebendiese Patienten übernehmen, da Sie auch hier verstehen, „dass viele Menschen auf eine Kombination aus klassischer Schulmedizin und alternativen Heilmethoden vertrauen.“

Alternativ wäre ich natürlich umgekehrt sehr zufrieden, falls Sie vorhaben, nach Ihrer Ablehnung der Cannabisbehandlungen, auch den restlichen Leistungskatalog nach den gleichen Kriterien zu bewerten und die sogenannten „Alternativen“ aus Ihrem Angebot entfernen. Auch in diesem Fall, besonders in diesem Fall sogar, würde ich mich über eine derart lautende Aussage von Ihnen sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Caspari

[1] https://www.knappschaft.de/DE/LeistungenGesundheit/AlternativeMedizin/alternativemedizin_node.html
[2] http://www.duden.de/rechtschreibung/Medizin
[3] https://www.dzvhae.de/dzvhae-presse/pressemitteilungen/-1-563.html
[4] http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-krankenkassen-wehren-sich-gegen-kosten-von-cannabis-auf-rezept_id_6792944.html

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