Kaltland – Es ekelt mich an

Reisegenuss. Realsatire der unschönen Sorte.

Reisegenuss. Realsatire der unschönen Sorte.

Kaltland. Es schockiert und ekelt mich, zu sehen, wie in Deutschland an manchen Stellen Menschen behandelt werden.

Das Thema ist Clausnitz am Donnerstagabend. Ich habe das alles nur am Rande mitverfolgt, da ich seit Freitagmorgen auf einem Seminar war, eben habe ich mich daher eingelesen und die entsprechenden Videos herausgesucht, die dokumentieren, was geschehen ist. Zuverlässig war eine Zusammenfassung der Videos auf dobschat.de zu finden, danke dafür.

Es erschreckt mich zu sehen, was in Clausnitz geschah, auch wenn es mich leider nicht mehr zu überraschen vermag.

Die Geschehnisse

Am Donnerstagabend des 18.02.2016 kam ein Bus voller Flüchtlinge mit der Aufschrift „Reisegenuss“, diese Ironie lasse ich ansonsten einfach mal unkommentiert stehen, in Clausnitz an und wurde dort von ungefähr 100 pöbelnden Nazis empfangen. Die Polizei war wohl vor Ort und hat den Nazis Platzverweise erteilt, hat diese jedoch nicht durchgesetzt. Die Flüchtlinge saßen im Bus und hatten verständlicherweise und deutlich erkennbar Angst vor der Situation und vor dem Mob.

Doch anstatt die Menschen im Bus zu beruhigen und die Aggressoren um den Bus herum festzunehmen, oder zumindest aus der direkten Umgebung zu entfernen, ging die Polizei hart und radikal gegen die Flüchtlinge vor. Wenn ein wütender Nazimob mir zujubelt bei dem was ich tue, sollte ich ganz genau überlegen, was ich da gerade tue. Ich kann nur hoffen, dass es Strafanzeigen gegen die Polizisten hagelt und dass auch die Verantwortlichen entsprechend zur Verantwortung gezogen werden.

(Weitere Bilddokumente gibt es bei Carsten)

Gegen die Flüchtlinge wird nun ermittelt, gegen die Nazis nicht. Flüchtlinge bedrohen, vor den Augen der Polizei, bleibt also ungestraft.

Die zuständige Polizei in Clausnitz setzt später dann noch einen drauf und erklärt, die Flüchtlinge seien Schuld gewesen an der Eskalation und die Polizei hätte sich einwandfrei verhalten. Ob dieser Polizeiskandal sauber aufgearbeitet wird, darauf bin ich gespannt. Bislang gibt es keine Entschuldigung für das Verhalten der Beamten vor Ort und innerpolizeiliche Konsequenzen scheinen im Moment auch keine in Planung zu sein.

Thomas Hetze

Man stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass die braunen Hetzer so zahlreich vor Ort waren. Offensichtlich waren sie gut informiert über Zeit und Ort der Ankunft, was nicht weiter verwundert, wenn man erfährt, dass der Leiter der Flüchtlingsunterkunft ein Mitglied und Redner der sogenannten AfD ist, dessen Name sich fast wie ein Scherz liest: Thomas Hetze.

Wie es überhaupt dazu kommen kann, dass ein Mitglied einer rechtsradikalen Partei eine solche Einrichtung leiten darf, ist mir ein absolutes Rätsel und ein unfassbarer Skandal. Thomas der Hetzer ist Redner bei den Blau-Nazis und war in dem Fall einer der wenigen, die überhaupt von der Ankunft der Flüchtlinge wussten. Wie dann um die 100 Nazis davon erfahren haben um sich zusammenzurotten zu einem drohenden Mob, das ist nun wirklich nicht schwer zu erraten.

Nach Fällen von Sicherheitsfirmen, die Nazis als Sicherheitspersonal an Flüchtlingsheimen abgestellt haben, kommt nun so etwas heraus. Hoffentlich finden wir auch hierfür bald eine Lösung, wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Nazis in solchen Positionen sind.

Nachgang

Während die Empörung innerhalb der Bevölkerung glücklicherweise groß ist, was mir zumindest zeigt, dass es so kalt bislang doch noch nicht ist in Deutschland, sind die Reaktionen der Nazis umso deutlicher. Es ist erschütternd, welche Abgründe sich bei manchen Menschen offensichtlich auftun, aber ich kann nur wiederholen: Nach den letzten Monaten überrascht mich das erschreckenderweise nicht mehr.

Lest selbst, was innerhalb geschlossener PEGIDA-Gruppen so „diskutiert“ wird zu Clausnitz.

Reaktionen von PEGIDA zu den Vorfällen in Clausnitz

Reaktionen von PEGIDA zu den Vorfällen in Clausnitz. via Jörg Rupp @ Facebook

Gesellschaftliche Ächtung

Nun mal ernsthaft, wer erwartet ernsthaft noch, mit solchen Unmenschen ins Gespräch zu kommen um sie zu bekehren? Natürlich gibt es Mitläufer, die verblendet sind, die man überzeugen kann. Aber wer noch nicht bemerkt hat, wofür PEGIDA steht, wofür die sogenannte AfD steht, wer weiterhin gegen Flüchtlinge hetzt obwohl es lange genug öffentliche Diskussion ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Wir müssen hier nicht mehr reden, wir müssen klare Kante zeigen und solch extreme Positionen geschlossen ablehnen und die Menschen, die so etwas nicht nur vertreten sondern Hetze gegen Menschen betreiben geschlossen ächten. Es kann und darf nicht sein, dass wir Raum geben für so etwas.

Das bedeutet nicht, dass wir die öffentliche Diskussion mit der AfD, PEGIDA, NPD und wie sie alle heißen beenden sollten. Wir müssen weiterhin aufzeigen, welch krude Thesen diese antisozialen und antidemokratischen Elemente unserer Gesellschaft vertreten. Dennoch müssen wir, als Gesellschaft, als Staat und vor allem in Form der Polizei weitaus härter gegen Menschenhass, Rassismus und Gewalt vorgehen.

So kann es zumindest nicht weiter gehen.

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