Ist eine Impfpflicht unumgänglich?

<a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16780029" target="_blank">Masernstatistik</a> - Center of Disease Control (CDC), USA, Gemeinfrei

Masernstatistik – Center of Disease Control (CDC), USA, Gemeinfrei

Ich bin ein liberaler Mensch, aber ich halte eine Impfpflicht für unumgänglich, da die Bildung in diesem Fall offensichtlich versagt.

Ich bin kein Freund von Verpflichtungen, vor allem dann nicht, wenn man meinen könnte, der gesunde Menschenverstand reiche aus, um das bestehende Problem zu lösen. So könnte man annehmen, dass eine Impfpflicht nicht vonnöten sei, denn für jeden Menschen sollte die eigene Gesundheit und vor allem die Gesundheit seiner Kinder im Vordergrund stehen. Nichts Bedeutenderes im Alltag frisch gebackener Eltern kann ich mir ausdenken, als die Gesundheit der Kinder. Die Impfmüdigkeit bei Volljährigen ist dabei ein anderes Thema.

Amerika ist masernfrei

In einem aktuellen Artikel auf Spektrum.de wird berichtet, dass Amerika nun von der WHO offiziell als Masernfrei erklärt wurde. Durch großangelegte Impfkampagnen konnten die Masern auf dem Kontinent hinter dem großen Teich endlich ausgerottet werden. Die Bedingung dafür, als Masernfrei zu gelten, ist die Feststellung, dass es in 12 Monaten keinen endemischen Krankheitsfall gibt.

Dazu kann man gratulieren. Liebe Amerikaner, auch wenn wir Europäer immer wieder über euch spotten, über eure Bildung oder aktuell über eine Präsidentschaftskandidaten, hier seid ihr uns einen klaren Schritt voraus.

Impfmüdigkeit

In Deutschland haben wir währenddessen mit impfmüden Bürgern zu kämpfen. Wenn ein erwachsener Mensch seine eigenen Auffrischungsimpfungen versäumt, aus Unwissenheit über die Auffrischungstermine oder da er dem Thema zu wenig beachtung schenkt, ist das schlecht, aber nachvollziehbar. Menschen sind impfmüde in einem Land, in der die Krankheiten, gegen die geimpft wird, kaum noch bekannt sind. Auch ist man schließlich gesund, wieso zum Arzt gehen und sich eine Spritze geben lassen. Das ist ein klares Bildungsproblem, dass die Stärken und die Notwendigkeit dieser Impfungen nicht flächendenkend bekannt und vor allem bewusst sind.

Wenn Menschen Kinder in ihrer Obhut haben, sollte ein Kinderarzt dafür sorgen, dass diese Kinder die wichtigen und nötigen Impfungen zur rechten Zeit erhalten. Das funktioniert auch im Normalfall, solange die Eltern sich von Kinderärzten beraten lassen. Ich halte daher die Impfmüdigkeit im späteren Leben für ein Versäumnis, ein Fehleinschätzen der Situation.

Ich sehe hier, mehr als bei den weiteren Problempunkten, die Möglichkeit durch Aufklärungskampagnen und Marketing eine Verbesserung des Status zu erreichen, aber wie ich gleich erläutere, ist diese Impfmüdigkeit nicht das größte Problem aus meiner Perspektive.

Impfgegner

Seit Jahren bereits gibt es eine zusätzliche, weitaus dramatischere Gefahr als die Impfmüdigkeit: Die Impfgegner. Menschen, die der festen Überzeugung anheim fallen, Impfungen seien zwecklos oder gar schädlich. Es wirkt fast wie eine religiöse Sekte, wenn „Impfskeptiker“ sich organisieren und gegen Impfungen agitieren.

Im Mittelpunkt dieser Bewegung steht der Glaube, die „Pharmaindustrie“ mache uns mit Impfungen krank (Das ergibt keinen Sinn), Impfungen seien erwiesenermaßen schädlich (Das ist widerlegbar) und eine groß angelegte Gehirnwäsche sei der Grund, warum viele Menschen ihre Kinder „vergiften“. Wenn man so etwas liest oder hört, kann man nur verzweifelt den Kopf schütteln. Man kann natürlich versuchen, mit Argumenten und Fakten dagegen anzureden, aber leider zeigt sich immer wieder, dass man gegen solche Verschwörungstheorien nur sehr schwer ankommt.

Menschen, die ihre Kinder nicht Impfen lassen, sind eine Gefahr für diese Kinder und für die Allgemeinheit. Die Herdenimmunität kann nur dann effektiv auch diejenigen Schützen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, wenn ansonste alle geimpft sind. Die Ironie: Impfgegner bringen ihre Kinder und ihr Umfeld in Gefahr und verlassen sich dabei völlig auf die Herdenimmunität, die ihre eigenen Kinder nur deshalb schützen kann, weil im Umfeld meist alle Kinder geschützt sind.

Impfpflicht und Aufklärung

Wir benötigen dringend mehr Aufklärung. Punkt.

Das ist ein Problem in vielen Bereichen, aber gerade im Gesundheitsbereich sehe ich tatsächlich eine große Not, mehr Aufklärung zu betreiben, an Schulen und im Alltag. Parallel sehe ich aber zur Zeit eine Impfpflicht als unumgänglich an, um auch die Aufklärungsresistenten zu erreichen. Es gibt Gegenden, da sind in einer ausreichend großen Zahl Impfgegner vorhanden, sodass die Herdenimmunität nicht mehr hergestellt werden kann, ohne diese zu überzeugen oder zu verpflichten.

Ich bin kein Freund von Verpflichtungen. Ich würde das lieber über mehr Bildung und Aufklärung lösen, aber ich befürchte immer mehr, das könne nicht ausreichen. Vielleicht kommt es auf einen Versuch an.

Fragen

Können wir es uns erlauben, eine (kleine) Gruppe von Spinnern gewähren zu lassen, solange die Durchimpfungsrate stimmt? Was tun wir, wenn die Rate nicht mehr stimmt? Wie gehen wir damit um? Erlauben wir Verschwörungstheoretikern, uns alle und unsere Kinder in Gefahr zu bringen?

Ich weiß es nicht.

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