Digitale Gesellschaft

Am 27. und 28. Mai findet das #saarcamp17 mit dem Themenschwerpunkt „Digitale Gesellschaft“ statt. Hierzu wurde zur Blogparade aufgerufen, an der ich mit Freude Teilnehme.

Wir leben im Jahr 2017, die technischen Entwicklungen, die unsere Generation der „80s and 90s Kids“ bereits zu ihren bisherigen Lebzeiten erfahren durfte, waren und sind Kulturverändernd. Aber die sogenannte „Digitalisierung“ betrifft längst alle Generationen, Schichten und Lebensbereiche.

„Digitale Gesellschaft“

Vermutlich gibt es diverse Thesen dazu, was nun genau eine Gesellschaft digital macht, worin sich dies ausprägt und wie das unser Leben beeinflusst.Dazu gehört jedoch mit Sicherheit die Tatsache, dass inzwischen quasi jeder von uns permanent einen Kleincomputer mit sich herumträgt, mit welchen man jederzeit und überall auf das gesammelte Wissen der Menschheit zugreifen, sich den Weg in den nächsten Biergarten diktieren lassen oder Katzenbilder betrachten kann. Außerdem dazu gehört meiner Meinung nach auch die immer größere Verbreitung von „smarten“ Geräten in diverser Form, seien es online erreichbare und angreifbare Spülmaschinen oder twitternde Personenwaagen.

Verfügbarkeit von Information

Wie oben bereits angerissen, ist heutzutage fast jede Information immer und überall verfügbar. Wann wurde der Eiffelturm nochmal erbaut? Wie viele Einwohner hat das Saarland? Der wievielte Bundespräsident ist zur Zeit in seinem Amt,… und wie heißt er nochmal? Handy/Tablet/Notebook zur Hand, ab zu de.wikipedia.org.

Wann hat mein Vetter nochmal Geburtstag? Wie ist die Telefonnummer meiner Oma? Wo muss ich heute Nachmittag für das Meeting hin? Kalender- und Kontaktapps sind stets zur Hand.

Egal ob persönliche oder öffentliche Daten, alles ist heute auf allen Geräten vorhanden, entweder sowieso „im Netz“ oder bei persönlichen Daten eben in der „Cloud“. Und das schönste daran ist, wir alle nutzen es völlig selbstverständlich, vom Teenager bis zur Oma, wenn auch in unterschiedlicher Dichte, was die Nutzer innerhalb der Gruppe angeht.

Inzwischen sind mit Geräten wie Amazons Echo und Alexa sogar für absolut technikferne Menschen Alternativen verfügbar, auf das Wissen der Welt oder auch praktische Dienste („Speichere mir bitte einen Termin für Dienstag, 15:00 Uhr mit dem Titel Zahnarzt und erinnere mich eine Stunde vorher daran.“) zuzugreifen. Sprachsteuerung für die Hausautomatisierung inklusive. SciFi wird Realität.

Asynchrone Kommunikation in Lichtgeschwindigkeit

Mit asynchroner Kommunikation ist die Tatsache gemeint, dass man nicht mehr so häufig direkt miteinander spricht oder kommuniziert, auch nicht mehr wie früher in „Livechats“, sondern eher über Nachrichtendienste wie WhatsApp, Signal, Threema. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass man seinem Gegenüber jederzeit eine Botschaft übermitteln kann, als Text- oder Sprachnachricht und dieser die Nachricht empfängt und beantwortet, sobald es ihm passt.

Diese Form der Kommunikation ist praktisch, niedrigschwellig und gibt eine gewisse Freiheit. Sie fördert jedoch auch Stilblüten zutage, wenn es sich wieder, wie in den frühen Zeiten des Telephonapparates, einbürgert, dass man ein echtes Telefonat vorher schriftlich mit einem Termin einplant. Heute wirkt es schon fast wieder so unverschämt wie im 19. Jahrhundert, als die Elektrifizierung des Sprechens erfunden wurde: „Mr. Watson. Come Here. I need you„.

In Form der E-Mail nutzen wir diesen Teil der Digitalisierung bereits seit Jahren und viele von uns auch ausgiebig. Zumindest im privaten Bereich, aber auch in vielen Fällen schon auf im beruflichen Alltag, hat die E-Mail den klassischen Papierbrief längst abgelöst.

Aber egal ob synchron oder asynchron, die Möglichkeit, mit Menschen vom anderen Ende der Welt in Kontakt zu kommen und sich mit diesen auszutauschen, ist bereichernd und begeisternd. Natürlich nicht immer, man frage einen Gamer, was er bereits alles für Beleidigungen in diversen Fremdsprachen gehört hat. Aber zum Glück muss das ja nicht die Regel sein. 😉

Digitale Teilhabe

Das vermutlich wundervollste, zumindest aus meiner Perspektive, an einer digitalen Gesellschaft sind die vielen Möglichkeiten der Teilhabe an der Gesellschaft und am politischen Diskurs. Mit den sozialen Medien haben wir Plattformen für den Austausch von Alltagserlebnissen, aber sie sind auch oft Kondensationspunkt einer politischen Diskussion, insofern sie die breite Masse ausreichend betrifft. Beim arabischen Frühling war die digitale Kommunikation ein wichtiger Kondensator der die Massenbewegung überhaupt in Bewegung brachte.

Über Mitbestimmungsportale, öffentliche Tagesordnungen unserer Räte (leider ohne Protokolle) sowie  Online-Streaming von Bundes– und Landtagsdebatten sind wir niedrigschwellig in den politischen Prozess eingebunden, vom Sofa aus, im Schlafanzug, gemütlich mit einem Glas Rotwein in der Hand. Das hätte noch vor 20 Jahren niemand erwartet.

Internet der Dinge

Neben der vielen Möglichkeiten für uns Menschen, uns virtuell zu bewegen, gibt es immer mehr Apparate, die sich selbst miteinander vernetzen oder in irgendeiner Form kommunizieren. Oben habe ich bereits die Spülmaschine und die Waage erwähnt, aber das Internet der Dinge (Internet of Things, Manchmal auch Internet of Shit) befindet sich erst in den Startlöchern. Die wahren Ausmaße der Möglichkeiten, aber auch Gefahren, dieses Aspektes der Digitalisierung, werden wir erst in den nächsten Jahren erleben.

Sicherheit und Bewusstsein

Auch wenn nun sogar mein Vater (Baujahr ’53) in die WhatsApp-Gruppe unseres Musikvereins beigetreten ist und selbst die ältesten in unserem Verein unsere App verwenden, um über Termine und Neuigkeiten infomiert zu bleiben, so haben wir einen essenziellen Aspekt an der Sache noch nicht in die breite Bevölkerung gebacht. Mit „wir“ meine ich damit die digital Natives, die mit all dem aufgewachsen sind und ein natürliches Gespür für Dinge haben, aber vor allem meine ich mit „wir“ diejenigen, die sich auch mit den negativen Seiten einer digitalen Welt befassen und auskennen, wir Nerds und Computermenschen, die wissen, wie oft die Sicherheit auf der Strecke bleibt.

Dass ein mobiler oder stationärer Assistent, der auf Sprache reagiert, alles, was ich ihm sage, irgendwo in „die Cloud“ sendet, ist nicht jedem Nutzer bewusst. Wie man ein sicheres Passwort für sein Mailpasswort wählt und wieso das so wichtig ist, wissen selbst viele jüngere Menschen nicht. Wieso es eine schlechte Idee ist, wenn eine Heizungssteuerung ohne Sicherheitsmaßnahmen aus dem Internet erreichbar ist, das muss dringend transportiert werden. Hier gibt es noch viel Handlungsbedarf, bis das Bewusstsein für Risiken bei jedem angekommen ist und auch von Herstellern konsequent beachtet wird.

Quo vadis?

Von der Hausautomatisierung über selbstfahrende Autos bis hin zu Wearables ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Produkte in der breiten Masse ihren Platz finden. Diese Entwicklung hat durchaus Vor- und Nachteile, wiir werden von den Neuerungen zur Zeit eher überrollt, als das wir als Gesellschaft insgesamt wirklich alles adaptieren können.

Doch prinzipiell sehe ich frohgemut in eine Zeit, in der mein Kühlschrank mich per App darauf hinweist, dass ich neue Marmelade kaufen muss, da das Glas schon wieder fast leer ist und der Mülleimer mich morgens, wenn ich das Haus verlasse, daran erinnert, dass ich den Müll ja gerade mitnehmen kann, da die Tüte bereits voll ist. Brauchen wir das? Wer weiß. Es wird sich als nützlich erweisen, oder es wird sich nicht durchsetzen, zumindest hoffe ich das.

 

Was genau stellst du dir unter einer digitalen Gesellschaft vor? Schreib es mir in die Kommentare, schick mir eine Nachricht auf das Display meiner Mikrowelle oder lass uns ende Mai beim #saarcamp17 darüber quatschen. 🙂

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