Die sogenannte AfD feiert Stauffenberg

Welsch, Krämer, Stauffenberg

Welsch, Krämer, Stauffenberg

Die sogenannte AfD wirbt nun mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Werben für Rassismus und Demokratiefeindlichkeit wird immer akzeptabler in der Partei.

Hier posieren Welsch und Krämer von der sogenannten Alternative für Deutschland mit einem Plakat, welches als Motiv Claus Schenk Graf von Stauffenberg darstellt, verziert mit dem Schriftzug „Es lebe das heilige Deutschland„. Wie es zu dieser Szene kam ist mir nicht bekannt, mir wurde nur das Bild zugespielt.

Stauffenberg als Vorbild für die sogenannte AfD passt natürlich wunderbar in das aktuelle Bild der Partei. Sich als Ikone einen Umstürzler herauszusuchen, der für Radikalität bekannt ist, dabei inhaltlich ein Freund von Rassenideologie und Antisemitismus, jedoch eindeutig kein Freund der Demokratie war, kann man fast mutig nennen. Endlich steht die neue Rechtspartei zu ihrer rechten Gesinnung, während andernorts Parteiberühmtheiten sich von getätigten Aussagen zu Grenzssicherung und Schießwütigkeit verzweifelt zu distanzieren versuchen.

Doch erst der Schriftzug „Es lebe das heilige Deutschland“ rundet das Bild vollends ab, wobei es hier schon fast schade ist, dass man offensichtlich zwar zu seiner rechten Ideologie stehen möchte, dabei jedoch von einem „heiligen Deutschland“ schreibt, wo doch „heiliges Reich“ der passendere Terminus wäre um sich noch ein klein wenig deutlicher zu positionieren.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist vor allem dadurch zu Ruhm gekommen, dass er eine zentrale Persönlichkeit im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich einnahm. Das ist jedoch kein Anlass ihn zum Helden ohne Fehl und Tadel zu stilisieren, war doch seine Ideologie der des Regimes nicht sehr fern.

„Der Gedanke des Führertums […] verbunden mit dem einer Volksgemeinschaft, der Grundsatz ‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz‘ und der Kampf gegen die Korruption, der Kampf gegen den Geist der Großstädte, der Rassengedanke und der Wille zu einer neuen deutschbestimmten Rechtsordnung erscheinen uns gesund und zukunftsträchtig.“

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Er war ein Freund der Politik der Zeit, lehnte all zu extreme Auswüchse jedoch ab. Bei den Umsturzplänen war er dabei ein klarer Gegner einer Demokratie für die Zeit nach Hitler, der Führergedanke an sich gefiel ihm, die vorhandene Person des Führers schien ihm nur nicht zu behagen.

Stauffenberg war ein Freund der Rassenideologie, hielt insgesamt nicht viel vom vorhandenen Volk, welches er zu unterjochen strebte. Kriegsgefangene wollte er als Sklaven einsetzen und von Juden und „Mischvolk“ war er nicht sehr angetan.

„Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Einordnung

Es mag sein, dass die sogenannte AfD nun mit solchen Motiven und Ikonen sich als Helden zu stilisieren versuchen, die unter hartem Einsatz versuchen die „Missstände“ im Land zu beseitigen. Sie betrachten sich schon längst als Opfer von „Diskriminierung“ durch die sonstigen Parteien, bezeichnen die Medien als „Lügenpresse“ die angeblich alles daran setzt die sogenannte AfD schlecht aussehen zu lassen und suhlen sich in ihrer Opferrolle. Das geht so weit, dass es schon als „Hetze“ bezeichnet wird, wenn man aus dem Programm der selbsternannten Alternativen zitiert.

Doch selbst wenn man das derart positiv auslegen wollte, stellt sich die Frage, wieso sie dabei mit Andeutungen zu Revolution, Umsturz und Gewalt arbeiten. Plant die sogenannte AfD einen gewalttätigen Sturz der Regierung? Oder will man sich nur in der Tradition vorstellen?

Viel naheliegender ist dann doch die Parallele an den offensichtlichen Punkten. Das dargestellte Idol der Herren Welsch und Krämer ist ein Rassist, Antisemit und Demokratiefeind, dass die sogenannten Alternativpolitiker sich da zugeneigt fühlen, kann wohl kaum überraschen.

Nach den katastrophalen Aussagen aus der Partei in den letzten Wochen bezüglich Waffeneinsatz beim Grenzschutz und der danach folgenden Versuche sich aus der Affäre herauszureden bin ich gespannt, wie die „Erklärung“ zu dieser Posse klingen wird.

Nachtrag vom 08.02.2016

Mir wurde das Bild persönlich zugespielt, aber wie ich gerade sehe, schämt sich die sogenannte AfD auch nicht dafür, damit auf Facebook zu werben.

Stauffenberg als Ikone ist nun also nicht einmal mehr den Neunazis peinlich, Welsch und Krämer stehen offen dazu, sich als Vorbild einen rassistischen, antisemitischen und demokratiefeindlichen Nazi zu erwählen. Und auch wenn ich keine Quelle dazu finde, würde es mich sehr überraschen, wenn Stauffenberg liberal gegenüber homosexueller Menschen eingestellt gewesen wäre. Nun, die kognitive Dissonanz, die man als Homosexueller innerhalb einer Nazipartei aushalten muss, verursacht vermutlich einen hinreichend großen Schmerz in der Hirnrinde, dass solche Details keinen nennenswerten Unterschied mehr verursachen.

Welsch, Krämer und Stauffenberg auf Facebook

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