Detlev Schönauer – Rassismus ist kein Kabarett

Rassismus ist kein Kabarett

Rassismus ist kein Kabarett

Detlev Schönauer, bekannt vor allem durch Jaque’s Bistro, thematisiert Dummheit, leider vor allem seine eigene.

Doppelhirn, so nennt Detlev Schönauer sein aktuelles Programm. Inhaltliches Kernthema ist Intelligenz, aber auch Dummheit, welche er dabei gleichzeitig bedient und demonstriert.

Die erste Hälfte des Programms besteht zu großen Teilen aus abgehalfterten Witzen aus dem Internet und plagiierten Ideen von Jürgen von der Lippe, Michael Mittermeier und Dieter Nuhr. Einzelne humoristische Treffer können leider nicht ausgleichen, dass die Mehrheit der Programmpunkte eher flach wirken oder eben altbekannt sind. Darüber kann man hinweg sehen, ist es doch häufig das Schicksal von Komikern, dass ihnen im Laufe der Zeit die Ideen ausgehen. Auch wenn der Glanz früherer Zeiten fehlt, sind die Pointen zumindest gut positioniert, er ist schließlich erfahren in dem was er tut.

Nach der Pause jedoch geht es um völlig andere Themen. Begonnen wird mit Scherzen über Bundespolitiker, die natürlich alle hohl sind, jedoch leider immer nur als Plakat und nie persönlich an den Laternen hängen. Höhöhö *schenkelklopf*. Spätestens hier sollte man erwarten, dass einige Zuhörer zumindest ein wenig verschämt reagieren, aber nein, der Applaus tost.

Darauf folgt, relativ schnell, der Schwenk zu Horst Seehofer. Die Vorlage nutzt „Jaque“ nicht etwa, um sich über den Bundespolitiker und seine Naivität lustig zu machen, sondern stimmt Seehofer voll und ganz zu. Auch hier jubelt das Publikum. Die Relativierung Seehofers, man meine ja nur den Islam und nicht die Muslime, darf natürlich nicht fehlen. Dass Verfassungsrechtler bereits erklärten, dass man den Islam und Muslime nicht trennen kann, ist natürlich keine Erwähnung wert.

Wo man schon einmal beim Thema ist, kann man natürlich weiter über Muslime sprechen. Schließlich wird im Islam gesteinigt, Kinder werden verheiratet und Frauen unterdrückt. Das gilt natürlich für alle Muslime. Auch die hier lebenden. Wer hört nicht täglich von Steinigungen im Saarland, ein großes ungelöstes Problem unserer Zeit, ganz klar.

Nach der Gewalt im Islam geht es um die Kleiderordnung, denn so eine Burka bietet natürlich auch viel Angriffsfläche. Und Werbefläche, wenn es nach Schönauer geht. Auch wenn es in Deutschland vermutlich keine Burkaträgerinnen gibt, trägt der Pseudofranzose die Anekdote vor, wie eine Burkaträgerin von der Bushaltestelle verschwindet, obwohl kein Bus hielt. Die Müllabfuhr kann so eine Burka schließlich nicht von einem Müllsack unterscheiden. Auch hier war der Jubel der Zuhörer gruselig, die Begeisterung bei der Vorstellung, eine Muslima lande im Müll, war zu spüren.

Nach einem kurzen Themenwechsel zur Telefonhotlinemusik, wechselt der Redner wieder zu seinem Liebslingsthema zurück, nun in abgewandelter Form: Wer kennt es nicht, eine Bäckereifachverkäuferin landet im Knast wegen eines gestohlenen Brötchens, während man als „südländisch aussehender junger Mann“ vor Gericht auch bei Kindesmissbrauch gerne mit ein paar Sozialstunden im Kinderheim belohnt wird. Was er versucht als Kritik an der Judikative zu verpacken, ist plumper Rassismus. Spätestens hier ist mein Blutdruck gesundheitsgefährdend, die Menge johlt und feiert.

Nebenbei erläutert „Jaque“ noch, man müsse ja heutzutage immer politisch korrekt sein. Welche Begriffe er lieber verwenden möchte, was er auch tut, als Schaumkuss und Paprikaschnitzel, das muss hier wohl kaum ausgeführt werden. Er hat sie ausführlich ausgeführt und sein Publikum war begeistert, dass er so offen „Die Wahrheit“ sagt, dass er sagt was alle denken: Weg mit dieser Sprachdiktatur, für ein Recht auf rassistische Sprache! Besonders perfide: Der Namensvorschlag, „Sinti und Roma in Scheiben“ für das Paprikaschnitzel.

Detlev Schönauer nutzt seine Popularität für die Verbreitung von Rassismus. Es ist nicht einmal so, dass er den Islam für seinen Humor nutzt, nein er nutzt seinen Humor und seine Bekanntheit um seine Islamfeindlichkeit zu verbreiten. Er hetzt ganz gezielt und vertritt eine politische Agenda. An manchen Stellen versucht er nicht einmal, seine Aussagen als „Witz“ zu verpacken sondern diskriminiert ganz klar, offen und gezielt. Kabarett sollte gegen „die da oben“ gerichtet sein und nicht nach unten, nicht gegen Minderheiten und schon gar nicht sollte es menschenfeindlich ausgerichtet sein. Schönauer sieht sich als Kabarettist, ich sehe ihn als Rassisten und für mich zumindest passt das nicht zusammen: Rassismus ist kein Kabarett.

Ich hoffe, Veranstalter und Sender überlegen es sich in Zukunft einmal mehr, ob sie jemanden auftreten lassen oder ausstrahlen wollen, der sich derart darstellt.

Rassismus ist längst kein Tabu mehr in unserer Gesellschaft, wenn so etwas für Beifall statt Buhrufe sorgt. Es gruselt doch sehr, so etwas live zu erleben. Der größte Teil der Zuschauer fand das alles toll und gerade deshalb kam ich nicht umhin, an Jonny Buchardt zu denken. Wer nicht weis von was ich spreche, hier das, erschreckend erhellende, Video von 1973:

Nachtrag 26.03.2018 – Antwort der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH

Man hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass man den Künstler bereits seit Jahren im Programm hätte und daher (sic) meine politische Einordnung seiner Person nicht teile.

Außerdem gelte die künstlerische Freiheit.

Ich halte also fest: Für die Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH ist Rassismus in der Kunst legitim und ein Freiheitsrecht.

22 Gedanken zu “Detlev Schönauer – Rassismus ist kein Kabarett

  1. Gerade in der Saarbrücker Zeitung darüber gelesen – viel Erfolg heute vor Gericht. Ich sehe Dich zu 100% im Recht. Und Schorschs Fundstück spricht eine nicht minder klare Sprache.

  2. Wir hatten das Programm auch gesehen und den gleichen Eindruck gehabt. Nach der Veranstaltung haben wir, als Veranstalter, die Vorwürfe an Detlev Schönauer geschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Es kam nie eine Antwort.!
    Viel Erfolg vor Gericht, meine Unterstützung hast du!

    • Oha, das klingt spannend. Wo war diese Veranstaltung und wer seid ihr als Veranstalter? Magst du mir eine Mail schicken?

      Danke für die Unterstützung.

  3. Sehr geehrter Herr Caspari,

    Ihr Text trifft sehr gut das, was auch ich über Schönauer denke. Ich abe Ihnen eine Mail gesendet bezüglich des Artikels heute, 02.07.2019, in der SZ. Adressiert an info@BSB-dudweiler.de .

    Herzliche Grüße
    Eberhard Wagner
    Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“, Marpingen

  4. Sehe mir gerne mal die Regionalprgramme an, heute am Abend hier im hohen Norden den SR. Zu Ihrer naiven Sichtweise bezüglich Islam. Der Islam ist eine hochgefährliche Religion und wer das nicht sieht ist nicht nur ein Dorftrottel sondern ein Feind der westlichen Lebensweise. Schlage vor, Sie wandern aus, vorher sollten Sie aber mal das Buch von Samuel P. Huntigton lesen, „Kampf der Kulturen.“

    • Wenn mir die Verteidigung des Grundgesetzes diesen Titel einbringt, bin ich gerne ein Dorftrottel. Und nein, aufgrund des Kontext in Ihrem Kommentar spare ich mir die Lektüre sehr gerne. Vielen Dank.

  5. Ich verfolgte gerade interessiert den Bericht im SR über den Hergang am Landgericht. Im Saarland ist halt nicht viel los und man verbringt viel Zeit in Blogs oder asozialen Netzwerken wie facebook und überlegt tagein tagaus wie man seine politische „Karriere“ in einer Spasspartei empörungskulturell forcieren kann. Mit Augenklappe ist es nicht leicht, die Perspektive zu wechseln. Wie käme die Parole „Dummheit kennt keine Grenzen“ wohl beim Blogger an?

    „Für die Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH ist Rassismus in der Kunst legitim und ein Freiheitsrecht.“ soso, mit Verlaub, darf ich Simplicissimus zu Ihnen sagen? Weil eine so kurz angebundene Logik folgend dem Prinzip der Kontaktschuld ist schon bemerkenswert. Jemand der ihre Meinung nicht teilt (hier die Kulturgesellschaft) wird also auch gleich standrechtlich zum Rassisten abgestempelt. Gut dass muss man nicht mögen aber ich halte private Blogs wie diesen für öffentlich völlig irrelevant, und würde mir mangels Resonanz oder auch Gewinnabsicht, daher jegliches Zivilverfahren verkneifen. Soll sich der Betrachter doch selbst seine Meinung bilden.

    Schorsch macht sich Gedanken über Schönauer weil er Polizeistatistiken wiedergibt. Die Wiedergabe von Polizeistatistiken ist demnach offenbar auch höchstgradig rassistisch. Entgegen dem Dateinamen „interpretation“ ist in dem pdf aber gar keine Interpretation auffindbar, die einen erhöhten Unmutspegel rechtfertigen würde. Wäre ich gemein, könnte ich Sie auch im Rahmen eines privaten Blogs als fett bezeichnen und gleichzeitig zum Absprecken anregen, aber ich genoss eine vergleichsweise gute Erziehung und würde das nicht tun. Immerhin wurde so einige Kilo Übergewicht in den Gerichtssaal bewegt.

    • * Ich verfolgte gerade interessiert den Bericht im SR über den Hergang am Landgericht. Im Saarland ist halt nicht viel los und man verbringt viel Zeit in Blogs oder asozialen Netzwerken wie facebook und überlegt tagein tagaus wie man seine politische „Karriere“ in einer Spasspartei empörungskulturell forcieren kann. *

      Also, ICH habe nicht geklagt und für diese gerade akute Öffentlichkeit gesorgt. Das war schon der Herr Kläger. 😉

      * Mit Augenklappe ist es nicht leicht, die Perspektive zu wechseln. Wie käme die Parole „Dummheit kennt keine Grenzen“ wohl beim Blogger an? *

      Über Dummheit hat Herr Schönauer ja ausführlich referiert auf der Bühne, ich habe den Spieß ja gerade deshalb herum gedreht, um die umgedrehte Perspektive mal darzustellen.

      * „Für die Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH ist Rassismus in der Kunst legitim und ein Freiheitsrecht.“ soso, mit Verlaub, darf ich Simplicissimus zu Ihnen sagen? *

      Wenn es Ihnen Freude bereitet, gerne.

      * Weil eine so kurz angebundene Logik folgend dem Prinzip der Kontaktschuld ist schon bemerkenswert. Jemand der ihre Meinung nicht teilt (hier die Kulturgesellschaft) wird also auch gleich standrechtlich zum Rassisten abgestempelt. *

      Ich habe die Kulturgesellschaft nicht nicht als Rassisten abgestempelt, der Vorstand hat lediglich klar gemacht, dass rassistische Äußerungen auf der Bühne für den Verein unter Kunstfreiheit laufen. Das habe nicht ich gesagt, das hat der Verein mir geschrieben.

      * Gut dass muss man nicht mögen aber ich halte private Blogs wie diesen für öffentlich völlig irrelevant, und würde mir mangels Resonanz oder auch Gewinnabsicht, daher jegliches Zivilverfahren verkneifen. Soll sich der Betrachter doch selbst seine Meinung bilden. *

      Ich halte mein Blog ebenfalls für absolut irrelevant und lediglich durch Herrn Schönauers Klage hat dieser Artikel hier jetzt eine Reichweite, wie das gesamte Blog es nie hatte. Ich verdiene hier aber auch kein Geld, daher ist es mir relativ egal, wie viele Menschen hier lesen oder nicht, ich bin nur Freund des Dezentralen und schreibe längere Texte lieber hier hinein als in ein Facebook o.Ä.

      Weswegen man in einem total irrelevanten Blog sich die Mühe macht einen solch ausführlichen Kommentar zu verfassen, müssten Sie mir noch einmal erklären.

      * Schorsch macht sich Gedanken über Schönauer weil er Polizeistatistiken wiedergibt. Die Wiedergabe von Polizeistatistiken ist demnach offenbar auch höchstgradig rassistisch. Entgegen dem Dateinamen „interpretation“ ist in dem pdf aber gar keine Interpretation auffindbar, die einen erhöhten Unmutspegel rechtfertigen würde. *

      Er hat aber schon Schlüsse aus der Statistik gezogen, die, so wurde mir zumindest von Fachmenschen berichtet, nicht korrekt seien. Da ich da nicht in der Materie bin, habe ich das nicht weiter kommentiert, denn „Wenn man keine Ahnung hat…“

      * Wäre ich gemein, könnte ich Sie auch im Rahmen eines privaten Blogs als fett bezeichnen und gleichzeitig zum Absprecken anregen, aber ich genoss eine vergleichsweise gute Erziehung und würde das nicht tun. Immerhin wurde so einige Kilo Übergewicht in den Gerichtssaal bewegt. *

      Zum Glück sind Sie nicht gemein und haben einen gewissen Anstand, weswegen Sie es sich natürlich verkneifen, Ad Hominem zu argumentieren. Dafür Danke ich Ihnen.

  6. Chapeau, dass Sie immerhin auf meinen Beitrag eingehen und sich damit auseinandersetzen. Wie auch immer.

    „Der Islam ist eine hochgefährliche Religion“ schreibt „Lothar Strenge“. Dazu kann ich nur sagen, Islamophobie ist eine verfassungsferne ansteckende Krankheit, die sich über besagte asoziale Netzwerke auf anonymer Basis Verbreitung verschafft. Es ist in der Tat fremdenfeindlich, nur einen Monotheismus (außer dem eigenen) irgendwie blöd zu finden. Im übrigen ist der Atheismus ganz gleich einem Dogma verfallen. Sollte er jedoch den Monotheismus als solchen, egal welcher Coleur, so wie ich, grundsätzlich als Plage der Menschheit verstehen, dann wäre das ein Erkenntnisgewinn im Sinne der Evolution. Schliesslich hat das Internet nicht nur die sexuelle Unabhängigkeit des Mannes von der Frau bewirkt, sondern auch Denkprozesse angeregt. Daher werde ich auch nicht weiter auf ihrem BMI herumreiten.

    „Sie hassen uns – Die giftige Mischung aus nordafrikanisch-arabischer Kultur und Religion, die sich in der Kölner Silvesternacht Bahn brach, wird in Deutschland noch immer beschönigt oder beschwiegen. Islamkritik ist überfällig.“ *schirmbeck FAZ

    „Übrigens: Der Islam ist keine Rasse. Er ist eine Ideologie.“ *martenstein tagesspiegel; beides 2016

    Das sind dann die sogenannten Medien, welche hier die Saat für multiplizierte Besorgnis und Fremdenfeindlichkeit legen. Ich möchte sagen genannte und vor allem auch Springer hetzen Menschen gegeinander auf und schon einmal nachfragen, was die ’68er denn eigentlich erreicht haben???

    Ich bin ja mal gespannt, wie das Ding dann am Ende ausgeht. Wiegesagt kann ich die Argumentation des Klägers zwar nachvollziehen, da es sich aber um einen privaten Blog ohne nennenswerte Reichweite handelt, kann man sich eine Klage auch mal verkneifen. Jedenfalls setzen Sie bei Schönauer auf das falsche Steckenpferd in Sachen Rassismus; nehmen Sie sich lieber mal die hetzerischen Medien in Manier eines „Stürmers“ zur Brust.

    • Solange ein Kommentar halbwegs sachlich ist, antworte ich gerne. Ihrer war zwar schon hart an der Grenze, aber da das Thema ja schließlich provokant ist, erlaube ich auch einen gewissen Grad an Provokation. 😉

      Als Atheist teile ich ein Stück weit Ihren Standpunkt zu Religionen, wobei ich zumindest insofern Differenziere, dass ich zwar Religionen als Massenbewegungen als ein großes Problem sehe, jedem Einzelnen jedoch seine Gläubigkeit zugestehe, solange er sie für sich selbst auslebt und andere damit nicht belämmert oder ihnen etwas aufzudrängen versucht.

      Ja, „Die Medien“™ sind ein großes Problem beim Islamhass, darüber habe ich mich auch schon oft ausgelassen, aber ich glaube in meinem Blog bisher nicht thematisiert, weil es nun wirklich keine Neuigkeit ist, dass z.B. eine „BILD“ polemisiert und hetzt. Ich glaube, was mich bei Schönauer so gestört hat, ist, dass ich es nicht erwartet habe. Er ist als Kabarettist auf die Bühne gegangen und ich erwarte von einem Kabarettisten, dass er nach oben tritt, nicht nach unten. Vermutlich war mir das deshalb einen Beitrag wert, während die tägliche Hetze einer „BILD“-„Zeitung“ mich zwar auch ärgert, ich aber zumindest nicht den Elan verspüre, deshalb etwas zu bloggen.

      Ich will Schönauer gar nicht als Steckenpferd haben, wenn Sie etwas durch meine alten Beiträge blättern, habe ich auch schon häufiger gegen die AfD, gegen gewisse „Lokalpolitiker“ oder ähnliches Texte verfasst, ich schreibe einfach, was mich bewegt, das ist das Konzept des Blogs.

      Und eigentlich halte ich es für eine Farce, wie sehr das alles hochgeschäumt ist, wollte ich doch eigentlich vor allem nach einem ärgerlichen Abend meinem Unmut Luft verschaffen.

  7. Selbsverständlich will auch ich dem Einzelnen nicht verbieten, religiös zu sein bin; aber der Ansicht, dass Religion hier zuviel öffentlicher Raum eingeräumt wird. Ohne Luther (vormals Luder) als Vordenker und eine Christendichte oberhalb 98% anno 1933, ist der Holocaust schwer vorstellbar; Katholik Hitler ist nie aus der Kirche ausgetreten. Bei aller Freude über jeden Kirchenaustritt, sehe ich die schleichende Islamisierung, wenn auch noch auf niedrigem Niveau, äußerst kritisch. Auf der anderen Seite irritiert eine Zionismus-kompatible AfD, die im Gleichschritt mit Spinger Medien, gegen nur eine Religion hetzt, was sich grundsätzlich verbietet. Die 68er wollten doch damals die Auslieferung der Bild Zeitung verhindern, was offenkundig misslang, so hetzt und dämonisiert man dort bis heute.

    Das Problem ist, sie erwarten vom Kabarett, dass es von von links daherkommt. Ich kann beim besten Willen keinen Rassismus bei Schönauer erkennen, genauso wenig wie bei einem Uwe Steimle, der ja in den Medien ganz genauso und hier sogar klagerelevant verleumdet wird. Seine „Kraft durch Freunde“ Parole muss man aushalten können, zumal man ihre Herkunft nachvollziehen kann, dazu reicht eine halbe Minute Internetsuche; aber das muss man wollen. „Der Kabarettist Uwe Steimle und seine rechte Mission -Tagesspiegel“. „Darf man das sagen?“ – Sächsische Zeitung. „KRAFT DURCH FREUNDE“ titelt der Spiegel 1994, keiner wird dem Spiegel eine rechtsradikale Ader unterstellen, zumal es in dem Artikel um die SPD geht,. Ursprünglich ist es ein Zitat von Werner Finck, der für seine kritische Gesinnung 1935 in einem KZ landete und mit einem Arbeitsverbot belegt wurde. Ich hoffe der Betrachter kann meinen Unmut verstehen, wenn man Schönauer völlig unbegründet und an den Haaren herbeigezogen, zumal als Parteikader und Stadtratskandidat, Rassismus unterstellt.

    Ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Alle vier bis fünf Jahre ankreuzen und die eigenen Stimme in der Urne beerdigen ist für mich jedenfalls keine Demokratie und keine Option Ich erkenne grundsätzlich Parteikader nicht als Repräsentanz an, das ist völlig ausgeschlossen. Meine Positionen finden sich in einem Spektrum querfeldein durch die Parteienlandschaft. Parteien können ja gerne an der politischen Willensbildung mitwirken und Lösungen anbieten, aber doch nicht auch noch selbst darüber entscheiden. Und das Ganze vier bis fünf Jahre all-inclusive, bis die nächste Pappnase es sich im Schaufenster bequem macht.

    • Nein, ich halte es eben nicht für derart an den Haaren herbeigezogen, aber das mag man nun einmal unterschiedlich bewerten, im Gegensatz zu einem Herrn Schönauer möchte ich niemandem seine Meinung verbieten und mir ist durchaus bewusst, dass die Aussagen an der Grenze waren, sodass man sie so oder so interpretieren kann. Gerade deshalb habe ich meine Interpretation ja veröffentlicht.

      Ich schreie nicht nach Aufmerksamkeit, ich war aber auch erst in diesem Jahr auf einer Wahlliste zu finden, als ich den Artikel vor einem Jahr schrieb, war daran nicht zu denken. Kritik als Privatperson steht mir jedoch auch als politisch aktiver Person zu.

      Alle vier bis fünf Jahre zu wählen und ansonsten sich aus allem herauszuhalten, ist nicht meine Art wie Politik funktionieren sollte, daher bringe ich mich in lokale Politik aber auch in Diskurs gerne ein. Das hat mir schon Anfeindungen, Drohungen und Beleidigungen eingebracht, bisher aber nie eine Klage. Aber irgendwann ist eben das erste Mal. 😉

  8. Herr Schönauer will Ihnen doch gar nicht ihre Meinung verbieten, sondern fühlt sich allein durch Ihr Etikett „Rassist“ angegriffen, das ist verständlich. Ich hätte es halt anders gelöst, bspw. in einem moderierten Gespräch. Nichts liegt ihm offenkundig ferner als Rassismus. Ganz im Gegenteil warnt er davor. Das Kabarett ist dazu da, Menschen; der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, Offensichtlich haben Sie sich bei dem Blick hinein arg erschrocken. In die Politik einbringen, klingt echt toll, gerade als aussichtsloser Kandidat einer Spasspartei. Fakt ist, am Ende entscheidet die Regierungskoalition, oft genug gegen den Willen der Bevölkerung (bspw. Waffenlieferungen; Krieg und Frieden) da können Sie sich Harre blau anmalen, das Holzbein in die Hand nehmen oder wählen, bis Sie schwarz werden. Der Parlamentarier an sich ist ein interessengeplagtes und vielumworbenes Wesen mit Hang zur Drehtür, wer will es ihm verdenken, er wird schauen wo er bleibt, ob er will oder nicht und ob er das selbst so wahrnimmt oder nicht; und dass er auch morgen noch ganz oben auf der Parteiliste steht wenn es um Posten geht. Da geht der Trend oft zu Beliebigkeit, gerade weil kein Politiker für seine Versprechen haftbar gemacht werden kann, wird oft ohne Konsequenz gegaukelt und gelogen, bis sich die Balken biegen – Ehrenwort. Demokratie bedeutet für mich, Verzicht auf Parteispenden und Wahlwerbung und ein Parlament ist demarchisch strukturiert, das macht die Macht wenigstens ein bisschen weniger korrumpierbar. Der Journalismus wird seine Aufgabe erst dann wahrnehmen, nachdem wir über Eigentumsverhältnisse und Abhängigkeiten in diesem Bereich geredet haben. Die legendären Bildtafeln der „Anstalt“ haben das ersatzweise eindrucksvoll vor Augen geführt.

  9. Der saarländische Vorstand der Sinti und Roma ist inzwischen über den Schnitzelwitz -wenn man sowas noch als Witz bezeichnen kann- informiert. Die Reaktion kann man sich vorstellen.

  10. Ich habe das Programm nicht gesehen, aber könnte es sich nicht um eine Fehlinterpretation handeln? Es scheint ja um den Zwillingsbruder zu gehen, der – so stelle ich mir das Programm vor – andere, also rassistische, Ansichten hat. Ich denke, dass man als Kabarettist dem Publikum den Spiegel vorhalten möchte. Und ich denke, dass er zeigen wollte, dass Rassismus sich hinter einer „normalen“ und „bürgerlichen“ Fassade verstecken kann.

    Wenn Sie in jeder Instanz Recht bekommen, muss man das weiter denken. Das ist dann natürlich ein Präzedenzfall. Am besten sagt dann jeder Satirist vor Beginn der Satire „Vorsicht, das hier ist nicht meine Meinung, das ist hier ist bissige Satire.“ Dann versteht das Publikum das vielleicht auch. Was ist mit Schauspielern oder Autoren?

    Mal angenommen, wir drehen einen Film über Neonazis und mal angenommen, Leonardo Di Caprio spielt einen solche Neonazi. Muss er dann ein Rassist sein, nur weil er in dem Film rassistische Ansichten äußert? Wenn ich Ihre Ansicht weiter denke, muss das so sein. Also darf der Neonazi in dem Film nicht rassistisch sein, wenn der Schauspieler nicht als Rassist bezeichnet werden möchte.

    Jetzt könnten Sie sagen, dass der Schauspieler ja nur eine Rolle spielt. Aber vielleicht hat Herr Schönauer auch nur eine Rolle gespielt. Vielleicht haben Sie das nicht verstanden?

    Also ich sehe, wenn Sie Recht bekommen, die Zukunft von Satire, Kabarett, Film und Roman bedroht – und zwar von allem, das sich mit schwierigen Themen auseinandersetzen möchte. Wenn man sich mit solchen Themen auseinandersetzt, müssen auch mal Worte genutzt werden, die nicht schön sind. Dann muss man die Leute, die so denken, einfach mal imitieren und vorführen. Wenn wir all das verbieten und jeder, der eine Rolle spielt, diese Rolle auch im realen Leben einnehmen muss, stampfen wir am besten alles ein, was irgendwie über Probleme nachdenkt und schweigen alles tot.

    Ich sehe eine schwere Zukunft auf uns zukommen. Aber vielleicht sind die Menschen auch einfach nicht mehr intelligent genug, um Fiktion von Realität unterscheiden zu können. Möglicherweise muss man wirklich ein Schild hochhalten, auf dem steht: „Vorsicht. Dies ist nicht meine Meinung. Ich spiele nur eine Rolle.“ Also müsste in dem oben erwähnten fiktiven Film Di Caprio bei seinem ersten Auftritt als Neonazi laut in die Kamera sagen: „Ich spreche jetzt als Leonardo Di Caprio. Das hier ist nur eine Rolle, die ich in diesem Film spiele. Diese Rolle entspricht nicht meinen wahren Ansichten!“ Das müsste auch jeder andere tun, der keine so nette Rolle spielt. Das könnte den Film ruinieren, wahrscheinlich seine Aussagekraft enorm schädigen, aber die Schauspieler könnten – vielleicht – nicht des Rassismus bezichtigt werden.

    Ich finde das sehr schwierig. Und ob es wirklich Meinungsfreiheit ist, eine andere Person einfach als Rassist zu brandmarken und damit unter Umständen seine berufliche Zukunft vollkommen zu ruinieren und sein Leben zu zerstören (denn das könnte die Folge sein!), wage ich zu bezweifeln. Meiner Meinung nach ist das keine Meinungsfreiheit.

    Aber vielleicht denke ich für die moderne Welt auch zu vernünftig. Also wenn ich einen Roman schreibe, der zur Zeit der Sklaverei in den USA spielt, muss ich auch darauf achten, dass meine Figuren nichts böses über die Schwarzen sagen, sondern immer politisch korrekt über ihre Sklaven sprechen. Realismus adé, aber niemand kann mich einen Rassisten nennen.

    Wenn das die Zukunft ist, sollte man wirklich jede Art von Kunst einstampfen, die sich mit Problemen beschäftigt. Es könnte zu gefährlich werden.

    • Es hat eben nicht den Eindruck gemacht, dass er „in der Rolle“ kritisiert, dass Menschen sowas denken und sagen. Er wollte, so mein Eindruck, Migration kritisieren und tat das auf eine Art und Weise, die ich eben als rassistisch empfinde.

      Wenn es so wäre, dass ich einfach nur nicht verstanden habe, dass er in der Rolle war, hätte er das sagen können. Hat er aber nicht. Ich glaube schon, dass ich es richtig einschätze, dass die getroffenen Aussagen seine eigenen sind, er bewertet sie halt nicht als rassistisch, ich schon, nur darin sind wir uns uneinig.

      • Ich muss Ihnen hier voll zustimmen, wenn auch ohne das Programm gesehen zu haben. Die Ausschnitte im SR zeigen eine Aneinanderreihung von rassistischen Zoten, die alle unter dem Motto stehen „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“… Abgeschmackt und gefährlich. Wie es besser geht, zeigt da meiner Meinung nach unser eigentlicher Top-Kabarettist Gerd Dudenhöffer. Sein Heinz Becker ist ein Spiessbürger, dessen Denken auch von Nationalismus und Konservatismus durchzogen ist. Aber Heinz Becker entlarvt sich dabei selbst. Dudenhöffer will uns den deutschen Spiessbürger vor Augen führen. Was uns Schönauer vor Augen führen will, ist dass alles verboten wird unter einem angeblichen Label der „politischen Korrektheit“ und dass „wir“ uns den Mund nicht verbieten lassen. Im Gemeindesaal in Uchtelfangen mag sowas gut ankommen, weiter wird es Herr Schönauer damit wohl nicht mehr schaffen.

        Danke für Ihre tolle Arbeit, Herr Caspari und dass sie Ihre Sache vor Gericht weiter durchziehen!

  11. Herzlichen Glückwunsch zum gewonnenen Prozess. Schlag dich nicht zu lange hier mit den Idioten rum, die ständig die gleichen Argumente wiederkäuen, mit denen Rassismus bagatellisiert wird. Man wird doch mal sagen dürfen, war doch alles nicht so gemeint und und und. Man darf doch mal ein bissschen lachen über alle die, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen. Ha ha ha.

    Es kotzt mich nur noch an.

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