Detlev Schönauer – Rassismus ist kein Kabarett

Rassismus ist kein Kabarett

Rassismus ist kein Kabarett

Detlev Schönauer, bekannt vor allem durch Jaque’s Bistro, thematisiert Dummheit, leider vor allem seine eigene.

Doppelhirn, so nennt Detlev Schönauer sein aktuelles Programm. Inhaltliches Kernthema ist Intelligenz, aber auch Dummheit, welche er dabei gleichzeitig bedient und demonstriert.

Die erste Hälfte des Programms besteht zu großen Teilen aus abgehalfterten Witzen aus dem Internet und plagiierten Ideen von Jürgen von der Lippe, Michael Mittermeier und Dieter Nuhr. Einzelne humoristische Treffer können leider nicht ausgleichen, dass die Mehrheit der Programmpunkte eher flach wirken oder eben altbekannt sind. Darüber kann man hinweg sehen, ist es doch häufig das Schicksal von Komikern, dass ihnen im Laufe der Zeit die Ideen ausgehen. Auch wenn der Glanz früherer Zeiten fehlt, sind die Pointen zumindest gut positioniert, er ist schließlich erfahren in dem was er tut.

Nach der Pause jedoch geht es um völlig andere Themen. Begonnen wird mit Scherzen über Bundespolitiker, die natürlich alle hohl sind, jedoch leider immer nur als Plakat und nie persönlich an den Laternen hängen. Höhöhö *schenkelklopf*. Spätestens hier sollte man erwarten, dass einige Zuhörer zumindest ein wenig verschämt reagieren, aber nein, der Applaus tost.

Darauf folgt, relativ schnell, der Schwenk zu Horst Seehofer. Die Vorlage nutzt „Jaque“ nicht etwa, um sich über den Bundespolitiker und seine Naivität lustig zu machen, sondern stimmt Seehofer voll und ganz zu. Auch hier jubelt das Publikum. Die Relativierung Seehofers, man meine ja nur den Islam und nicht die Muslime, darf natürlich nicht fehlen. Dass Verfassungsrechtler bereits erklärten, dass man den Islam und Muslime nicht trennen kann, ist natürlich keine Erwähnung wert.

Wo man schon einmal beim Thema ist, kann man natürlich weiter über Muslime sprechen. Schließlich wird im Islam gesteinigt, Kinder werden verheiratet und Frauen unterdrückt. Das gilt natürlich für alle Muslime. Auch die hier lebenden. Wer hört nicht täglich von Steinigungen im Saarland, ein großes ungelöstes Problem unserer Zeit, ganz klar.

Nach der Gewalt im Islam geht es um die Kleiderordnung, denn so eine Burka bietet natürlich auch viel Angriffsfläche. Und Werbefläche, wenn es nach Schönauer geht. Auch wenn es in Deutschland vermutlich keine Burkaträgerinnen gibt, trägt der Pseudofranzose die Anekdote vor, wie eine Burkaträgerin von der Bushaltestelle verschwindet, obwohl kein Bus hielt. Die Müllabfuhr kann so eine Burka schließlich nicht von einem Müllsack unterscheiden. Auch hier war der Jubel der Zuhörer gruselig, die Begeisterung bei der Vorstellung, eine Muslima lande im Müll, war zu spüren.

Nach einem kurzen Themenwechsel zur Telefonhotlinemusik, wechselt der Redner wieder zu seinem Liebslingsthema zurück, nun in abgewandelter Form: Wer kennt es nicht, eine Bäckereifachverkäuferin landet im Knast wegen eines gestohlenen Brötchens, während man als „südländisch aussehender junger Mann“ vor Gericht auch bei Kindesmissbrauch gerne mit ein paar Sozialstunden im Kinderheim belohnt wird. Was er versucht als Kritik an der Judikative zu verpacken, ist plumper Rassismus. Spätestens hier ist mein Blutdruck gesundheitsgefährdend, die Menge johlt und feiert.

Nebenbei erläutert „Jaque“ noch, man müsse ja heutzutage immer politisch korrekt sein. Welche Begriffe er lieber verwenden möchte, was er auch tut, als Schaumkuss und Paprikaschnitzel, das muss hier wohl kaum ausgeführt werden. Er hat sie ausführlich ausgeführt und sein Publikum war begeistert, dass er so offen „Die Wahrheit“ sagt, dass er sagt was alle denken: Weg mit dieser Sprachdiktatur, für ein Recht auf rassistische Sprache! Besonders perfide: Der Namensvorschlag, „Sinti und Roma in Scheiben“ für das Paprikaschnitzel.

Detlev Schönauer nutzt seine Popularität für die Verbreitung von Rassismus. Es ist nicht einmal so, dass er den Islam für seinen Humor nutzt, nein er nutzt seinen Humor und seine Bekanntheit um seine Islamfeindlichkeit zu verbreiten. Er hetzt ganz gezielt und vertritt eine politische Agenda. An manchen Stellen versucht er nicht einmal, seine Aussagen als „Witz“ zu verpacken sondern diskriminiert ganz klar, offen und gezielt. Kabarett sollte gegen „die da oben“ gerichtet sein und nicht nach unten, nicht gegen Minderheiten und schon gar nicht sollte es menschenfeindlich ausgerichtet sein. Schönauer sieht sich als Kabarettist, ich sehe ihn als Rassisten und für mich zumindest passt das nicht zusammen: Rassismus ist kein Kabarett.

Ich hoffe, Veranstalter und Sender überlegen es sich in Zukunft einmal mehr, ob sie jemanden auftreten lassen oder ausstrahlen wollen, der sich derart darstellt.

Rassismus ist längst kein Tabu mehr in unserer Gesellschaft, wenn so etwas für Beifall statt Buhrufe sorgt. Es gruselt doch sehr, so etwas live zu erleben. Der größte Teil der Zuschauer fand das alles toll und gerade deshalb kam ich nicht umhin, an Jonny Buchardt zu denken. Wer nicht weis von was ich spreche, hier das, erschreckend erhellende, Video von 1973:

Nachtrag 26.03.2018 – Antwort der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH

Man hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass man den Künstler bereits seit Jahren im Programm hätte und daher (sic) meine politische Einordnung seiner Person nicht teile.

Außerdem gelte die künstlerische Freiheit.

Ich halte also fest: Für die Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH ist Rassismus in der Kunst legitim und ein Freiheitsrecht.

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