Das Internet, ein Geschenk Gottes

Eben lese ich auf Heise, dass Papst Franziskus das Internet für „ein Geschenk Gottes“ hält. Er fordert quasi auf, dass man die Kommunikation über elektronische Medien nicht verteufeln solle, sondern sie vielmehr als Stärke und Ergänzung der zwischenmenschlichen Kommunikation betrachten muss. Ich möchte nicht nur darauf eingehen sondern auch noch ein wenig schreiben zu meiner Sicht auf das Internet.

Ich gebe es ungern zu, aber ich stimme dem zu, was der Römer da sagt. Nun gut, nicht den esoterischen Unfug mit einem so genannten „Gott“ der das Internet geschaffen haben soll. Ich weiß nicht genau, wem man nun die „Erfindung des Internets“ zusprechen sollte im Einzelnen, das war in keinem Punkt eine einzelne Person. Aber keine davon hieß Gott, soweit ich weiß. Man kann das heutige „Internet“, also das World-Wide-Web im großen und ganzen, Tim Berners Lee zusprechen, aber selbst den nannte man selten Gott, ich habe zumindest nie davon gehört. Auf jeden Fall wurde das Internet von Menschen gemacht, von Wissenschaftlern wurde die Technik erforscht, von Nerds wurde sie weiter entwickelt, von Menschen rund um den Globus wurde dieser virtuelle Raum bevölkert.

Es ist schön zu lesen, dass ein Papst sich so positiv über etwas so modernes äußert. Ich gebe zu, dass „Kirche“ und „Modern“ in meinem Kopf ein recht starker Widerspruch ist. Zum Teil wegen meiner Meinung zur Kirche, zum Teil aber auch wenn man bedenkt, auf welche Weise und zu welchen Zwecken eine so genannte Christliche Union in Deutschland das Internet missbraucht.

Durch die moderne Technik haben wir heute die Möglichkeit sehr schnell und stark vernetzt zu kommunizieren. Twitter hilft uns zu organisieren, zu mobilisieren, aber auch ganz simpel zu erfahren, was in der Welt geschieht. Facebook erlaubt uns unsere Erlebnisse mit Menschen zu teilen, die eben leider nicht so häufig räumlich in der Nähe sind, wie wir es gerne hätten. In einer Nähe, die sie ohne das Internet bräuchten um Teil unseres Lebens zu sein. Die Blogosphäre ist eine Welt für sich, Menschen werden zu Journalisten, führen Tagebücher oder schreiben über ihre Gedankenwelt.

Freunde oder Verwandte die im Ausland leben, Schulfreunde, Kommilitonen oder einfach nur „Internetbekanntschaften“, wir kommunizieren mit Menschen die wir ansonsten entweder ewig nicht mehr oder sogar noch nie persönlich getroffen haben. Doch was ist dabei? Ist das nicht nur eine moderne Form der Brieffreundschaft? War die früher auch verpönt?

Natürlich hat Franziskus recht damit, dass wir nicht vor dem Gerät vereinsamen dürfen, wir müssen auch raus und Menschen wirklich treffen, mit räumlicher statt virtueller Nähe. Doch es ist kein Problem der modernen Medien, dass Menschen vereinsamen. Das gab es vorher, heute haben Menschen die sich zu Hause vergraben nur eine Möglichkeit mehr, dennoch zu wissen was draußen passiert.

Ich habe 2012 eine Freundin zum ersten Mal im Leben getroffen, die ich bis dahin nur online kannte. Wir haben uns in einem Chatroom kennen gelernt, wir haben per ICQ, Skype und StudiVZ weiterhin Kontakt gehalten über die Jahre und uns dann, ungefähr 8 Jahre später, zum ersten mal gesehen. Nun, wie wir aussehen wussten wir natürlich vorher, aber interessanterweise haben wir nie telefoniert, wir haben nur geschrieben. Und dennoch war es keine böse Überraschung beim ersten Treffen. Abgesehen von den Strapazen von 400km Autofahrt, aber die war es allemal Wert.

Wir alle nutzen Wikipedia wenn wir etwas nachschlagen wollen, wir lesen Nachrichten online und schauen Videos bei Youtube an. Das Internet hat in meiner Generation längst gedruckte Lexika, Tageszeitungen und in einem gewissen Rahmen sogar schon das Fernsehen abgeschafft, wobei der letzte Punkt wohl noch ein paar Jahre benötigen wird. Es ist wichtig, dass wir die Möglichkeiten unserer Zeit nutzen, statt sie zu fürchten. Das Internet birgt Gefahren, das ist wahr, aber das ganze Leben birgt Gefahren und es endet immer mit dem Tod, dennoch machen wir das Beste daraus und leben und genießen es.

Aber eine, zumindest für mich, interessante Frage bleibt noch offen. Wenn das Internet ein Geschenk Gottes ist, ist es dann nicht in gewisser Weise ein Sakrileg, dass eine so genannte Christliche Union es gegen uns verwendet? Haben wir nicht jetzt die argumentative Waffe in der Hand, den Breitbandausbau zu beschleunigen und die Massenüberwachung zu beenden? 😉

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