Bist du schwul oder normal?

Pride

Pride

Wenn eine homosexuelle Person des öffentlichen Interesses über sexuelle Orientierung spricht, wird die Frage gestellt: „Muss das denn immer zum Thema gemacht werden?“. Ja, muss es.

Und alle, die keine Lust auf den Text haben, einmal unten das Video ansehen bitte. Danke.

Schwul oder was?

Vorweg: Es geht mir, eigentlich, nicht um Kevin Kühnert. Aber er hat wieder einmal eindrucksvoll eingie Dinge vorgeführt.

Allgemein erlebe ich folgendes:

  1. Ist man heterosexuell, dann ist das „normal“. Ist man homosexuell und erwähnt am Rande, dass man einen gleichgeschlechtlichen Partner hat, sprechen alle von einem Outing.
  2. Ist eine Person des öffentlichen Interesses homosexuell, ist das ein Thema für alle Zeitungen und Nachrichtensendungen, gefühlt in gleichem Maße, als gäbe es eine Affäre zu berichten.
  3. Kommt ein Mann mit einer Frau zu einer Veranstaltung, wird sich gegenseitig vorgestellt. Kommt ein Mann mit einem Mann zu einer Veranstaltung, wird getuschelt und Menschen fühlen sich davon angegriffen.

Das ist jetzt sehr verkürzt dargestellt, aber im Großen und Ganzen ist es damit abbildbar.

Homophobie ist voll Schwul!

Man erlebt ja leider immer noch eine starke Abneigung gegen Homosexuelle im Alltag. Männer die Männer lieben scheinen das größte „Problem“ für so manchen darzustellen. Zwei Frauen die sich lieben, das scheint eigenartig zu sein für viele, aber zumindest so ekelerregend wie zwei sich liebende Männer.

Und sobald eine Person „sich outet“, die im öffentlichen Mittelpunkt steht, nimmt die Diskussion über diese Person obskure Züge an. Leistungen werden damit geschmälert, dass „der ja nur interessant ist, weil er schwul ist. Das hat der auch nur öffentlich gesagt, um im Gespräch zu bleiben!“. Auch wird es so dargestellt, als würde sich die homosexuelle Person aufdrängen, es quasi jedem ins Gesicht schreien. Doch meiner Erfahrung nach nehmen das nur diejenigen so wahr, die sich von der Sache an sich gestört fühlen.

Und von den „Höhö, klar, dass der sich so aufspielt, der ist ja quasi ne Frau und als Frau, das wissen wir ja alle, da…“-Sprüchen, da will ich gar nicht erst anfangen.

The Culprit

Der Teil der Gesellschaft, der immer noch glaubt, dass Homosexuelle in irgendeiner Form ausgeschlossen oder ungleich behandelt werden sollen, kann sich an der Stelle gerne mal gepflegt ins K… f…n.

Und alle, die das hoffentlich anders sehen, was hoffentlich die Mehrheit hier ist, sollten sich immer im Gedächnis behalten, wie lange der Weg war, dass wir die Situation in Deutschland haben, die wir heute haben. Und wir sind noch lange nicht am Ziel, was die Gleichberechtigung in diesem und weiteren Bereichen angeht.

In unserer Gesellschaft, politisch wie sozial, ist es noch lange nicht „normal“, homosexuell zu sein. Man wird  ausgeschlossen und diskriminiert, man wird bespuckt und erlebt Gewalt. Und solange das noch so ist, ist es wichtig und notwendig, dass man aufsteht und mutig dazu steht. Leider.

Das hängt auch damit zusammen, wie kurz in unserer Geschichte es erst eine politische Entwicklung zur Entkriminalisierung und somit auch den Kamf gegen die Diskriminierung gibt. 1989 wurde von CDU, SPD und FDP noch abgelehnt § 175 zu streichen. Erst 1994 haben wir diesen Schandfleck der Rechtsprechung abgeschafft. In diesem Jahr wurde ich eingeschult. Und dass wir erst seit ein paar Monaten die Ehe, zumindest in diesem Aspekt, diskriminierungsfrei gestalten, dürfte wohlbekannt sein.

In vielen Ländern ist es noch lange nicht so einfach wie hier bei uns, homosexuell zu sein. In manchen Ländern droht einem Gefängnis oder der Tod, das haben wir zum Glück alles hinter uns. Aber wir müssen hinsehen. Und dabei den Blick auf unsere eigene Geschichte niemals vergessen.

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